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Kreative gemeinwohlorientierte Standortentwicklung – Rückblick

Welchen Mehrwert und welche Wirkung haben gemeinwohlorientierte Akteur:innen für Standortentwicklung und Stadtgesellschaft? Können kreative Netzwerke die Brücke zwischen unternehmerischem Handeln und sozialem Engagement schlagen? Das haben wir am 5. August 2021 im Rahmen der Roadshow „CREATIVE.Spaces exploring Good Work“ unter dem Titel „Kreative gemeinwohlorientierte Standortentwicklung“ in der B-Side Münster diskutiert.

Die B-Side bespielt seit über fünf Jahren den Hill-Speicher im Münsteraner Hafen mit Kunst-, Kultur- und Bildungsprojekten und verwandelt diesen Ort in ein kreatives Stadtzentrum. Bis 2023 wird er nun saniert, die B-Side zieht währenddessen in eine von der Stadt zur Verfügung gestellte Immobilie in der Nähe um.

Für Tobias Stroppel, Geschäftsführer der B-Side GmbH, ist die B-Side ein Beleg dafür, dass es auch in einem eher kommerziell geprägten Umfeld wie dem Münsteraner Hafen möglich ist, eine gemeinwohlorientierte, nicht auf Gewinne abzielende Initiative umzusetzen – wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Im Laufe der Jahre ist es der B-Side unter dem Motto „Gemeinsam Stadt machen statt machen lassen“ gelungen, die relevanten Akteur:innen ins Boot zu holen und davon zu überzeugen, wie wertvoll ein solches Projekt für die Stadt Münster ist: Denn mit neuen Methoden und Formaten findet es Lösungen für bestehende Konflikte und Probleme in der Stadt.

Auch für Prof. Reiner Schmidt von der Initiative Stadt als Campus steht die gemeinsame Orientierung im Vordergrund – Kultur und Soziokultur sind für ihn der zwingend notwendige Kitt der Gesellschaft. Für ihn ist klar, dass soziokulturelle Initiativen einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert schaffen, der auch bezahlt werden muss. Dies werde auch von Stadtentwickelnden zunehmend anerkannt. Ob die Finanzierung durch jene geschehe, die vor Ort davon profitieren, oder durch die breite Öffentlichkeit in Form von Förderungen, sei dabei letztlich nachrangig. Die Kreativen müssten dafür aber bereit sein, neue Allianzen einzugehen und sich auch als Dienstleister:innen und Qualitätsmanager:innen zu verstehen. Es seien die Kreativen, die für die Authentizität sorgten, die in den substanzlosen, „performativen“ Kopien rein kommerziell orientierter Akteur:innen meist fehle.

Im Vorfeld der Diskussionsrunde hatte Prof. Reiner Schmidt in einem internen Workshop, an dem Vertreter:innen mehrerer CREATIVE.Spaces teilnahmen, anhand einiger Beispiele etwa aus Göttingen, Mannheim, Frankfurt am Main und Amsterdam gezeigt, wie es kreativen Szenen und Zivilgesellschaft im Zusammenspiel mit Verwaltung, Immobilieneigentümer*innen und lokaler Wirtschaft gelingen kann, Orte und Quartiere gemeinwohlorientiert zu entwickeln.

Für Moderator David J. Becher, Vorstand des Fördervereins von Utopiastadt Wuppertal, ist es eine spannende Frage, welche Wirkungen gemeinwohlorientierte Graswurzel-Initiativen auf insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt oder eines Landes haben. Die von ihm geleitete Diskussion zeigte klar auf, dass Kreative Teil und Treiber einer umfassenden Wertschöpfung sind, die Investitionen multipliziert und Stadtentwicklung erst ganzheitlich macht.

Laut Heike Herold, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NRW e.V., sind soziokulturelle Orte für einen Standort wichtig, weil sie die Kraft haben, durch partizipative Konzepte Bürger:innen anzuziehen. Soziokultur zeige in eine Zukunft, die resilient und lebbar ist – und sei damit ein Vorbild für die Gesellschaft. Gerade in der Corona-Krise haben soziokulturelle Einrichtungen für sie eine neue Bedeutung erhalten: Sie waren da, haben sich nach einer anfänglichen Schockphase neu orientiert und pandemiegerechte Angebote im physischen wie im digitalen Raum entwickelt.

In der anschließenden Fishbowl-Diskussion wurde deutlich, dass es für gute Arbeit vor allem wichtig ist, Augenhöhe zwischen allen Beteiligten herzustellen – nur wenn Kreative als gleichberechtigte Partner:innen wahrgenommen werden, können auch größere Projekte mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Akteur:innen gelingen.

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Fotos: Michael Kickum, Heide Fernandes da Silva