CREATIVE.TALK

CREATIVE.NRW sprach mit Stefanie Waschk, Projektleiterin der neuen Förderinitiative Engage.NRW, über die gamescom 2014, Trends und Entwicklungen der Branche.

Die gamescom 2014 ist vorbei - dieses Jahr waren es 335.000 Besucher, davon 31.500 Fachbesucher. Geschafft?
Ja, es war anstrengend und man könnte fast meinen, dass man jedem Besucher die Hand geschüttelt hätte. Trotzdem ist auch diesmal das Resümee positiv: Die Messe war ein voller Erfolg! Besonders freuen wir uns hier in NRW darüber, dass die Messe mindestens weitere fünf Jahre in Köln bleibt. Die Internationalität hat sich in diesem Jahr weiter erhöht. Das zeigte sich auch beim internationalen Matchmaking am Stand Medienland.NRW. Hier wurde erneut 140 Teilnehmern aus 25 Ländern eine Plattform für internationale Kooperationsanbahnungen geboten. Wir freuen uns außerdem, dass das Projekt Engage.NRW, mit dem wir erst Ende Juni in die Öffentlichkeit gegangen sind, so begeistert angenommen wird. Das enorme Potential wird erkannt und andere Bundesländer haben bereits Nachahmung „angedroht“.

Was waren die Highlights, was die großen Trends in diesem Jahr?
Nachdem im letzten Jahr die neuen Konsolen Playstation 4 und Xbox One im Rahmen der Messe ihren ersten offiziellen Auftritt auf europäischem Boden feierten, standen in 2014 die neuen Spielewelten im Vordergrund, die wie immer vor Ort getestet werden konnten. Auch dem stetig wachsenden eSport-Bereich wurde diesmal besonders viel Raum gegeben. Und natürlich geht der Trend auch weiterhin zu immer intensiveren Spielerlebnissen z.B. mit Oculus Rift. Die Aussteller schaffen es jedes Jahr wieder für Highlights zu sorgen.

Besonders hat uns gefreut, dass auch die wirtschaftliche Relevanz von Spieleentwickler Know-How in klassischen Industrien beim gamescom congress stark thematisiert wurde. In der eröffnenden Podiumsdiskussion "Technologietreiber Computer- und Videospiele: Benefit für die Industrie 4.0.", an der auch ich teilgenommen habe, wurden vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in anderen Wirtschaftsbereichen aufgezeigt. Auch die Presse hat viel über diese Möglichkeiten berichtet.

Sie sind seit kurzem Projektleiterin der Initiative "Engage.NRW". Ziel von Engage.NRW ist es, Unternehmen anderer Industrien mit Games-Entwicklern und -Experten zusammenzubringen. Was steckt dahinter?
Vielen Unternehmen ist gar nicht bewusst, dass sie im klassischen Business von dem Know-How der Spiele-Entwickler profitieren können. Engage.NRW berät, wie man Mechanismen, Design und Technik aus der Spiele-Industrie gewinnbringend einsetzen kann. Entwickler aus dieser Branche sind es gewohnt kreative und effektive Umsetzungsmöglichkeiten zu finden und setzen dabei Elemente ein, die Menschen gerne und intuitiv bedienen. So entstehen Lösungen zur Prozessoptimierung, Kundengewinnung und Mitarbeiterschulung. Die Bandbreite reicht von mobilen CRM-Systemen und intuitiven Steuerungstools z.B. für Produktions- oder Wartungsanlagen über Visualisierungen neuster Technologien oder interaktiven Vertriebsschulungen bis hin zu therapeutische Trainingsapplikationen für Patienten. Zur kostenlosen Beratung von Engage.NRW gehören auch das Prüfen der Umsetzungsmöglichkeiten und die Empfehlung eines Teams, das am besten zu den Anforderungen des Unternehmens passt. Wir sind dabei, bis ein Projekt in die Umsetzung geht und stehen auch danach noch jederzeit projektbegleitend zur Verfügung.

Als Schnittstellenakteurin müssen Sie viele Sprachen sprechen - Technologie, Design, Geschäftsmodelle. Wie gelingt dieser Spagat?
Das ist der Grund warum ich bei der Frage nach meiner Tätigkeit oft scherzhaft sage, dass ich Dolmetscherin sei. Sowohl Unternehmer wie auch Software-Entwickler haben ihre ganz eigene Sprache. Durch meine langjährige Tätigkeit in der Spiele-Entwicklung, habe ich Kenntnisse in den unterschiedlichen Fachdisziplinen, die ich kontinuierlich erweitere und aktualisiere. Durch diese Erfahrungen als auch die in anderen Unternehmen kenne ich die unternehmerischen Herausforderungen, denen man sich täglich stellen muss, um langfristig erfolgreich zu sein. Da ich für beide Seiten gearbeitet habe, kann ich auch beide bei der Kommunikation unterstützen und meine Erfahrungen in der täglichen Praxis einsetzen. Außerdem berate ich seit ca. 15 Jahren regelmäßig Unternehmen. Ich habe gelernt, kein Fachchinesisch zu sprechen. So verhelfe ich Projekten zu einem guten Start.

Der Startup-Standort und die Kreativwirtschaft NRWs wachsen und beweisen sich mit intelligenten, oft nachhaltigen Geschäftsmodellen. Was ist das reizvolle hier vor Ort? Wie profitieren Jungunternehmer vom Standort NRW?

Reizvoll an NRW ist die Vielfalt von Unternehmen. Wir sind ein bedeutender Industrie-Standort und gleichzeitig Hot-Spot der digitalen Wirtschaft. Für Jungunternehmer gibt es hier unterschiedliche Fördermöglichkeiten wie z.B. das Mediengründer-Stipendium oder die Förderung „Digitale Medien“ der Film- & Medienstiftung NRW, die sich auch besonders an junge Start-Ups richtet. Start-Ups profitieren außerdem von einem Know-how, das man nicht überall findet. Die erfahrenen Kreativen sitzen nicht auf ihrem Wissen wie die Henne auf dem Ei, sondern coachen gerne. Darüber hinaus sind die Menschen hier offen gegenüber frischen Ideen von jungen Teams, die neue kreative Impulse geben. Die Mischung aus „alten Hasen“ und „jungen Wilden“ birgt viel wirtschaftliches Potential für branchenübergreifende Innovationen.

Über Engage.NRW
Das Ziel 2-Projekt Engage.NRW wird durch das Land NRW und die EU gefördert. Träger sind die Mülheim & Business GmbH Wirtschaftsförderung und die Universität Duisburg-Essen. Als Kooperationspartner unterstützt die Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH.

Mehr Informationhttp://www.engage-nrw.de/