Creative.Talk

CREATIVE.NRW sprach mit Daniel Hug, Direktor der ART COLOGNE, über die nächste Ausgabe von Deutschlands bedeutendster Kunstmesse, neue Projekte und Sektionen auf der Messe und den aktuellen TEFAF-Bericht zur Lage des globalen Kunstmarktes.

Onlinegeschäfte werden den Kunstmarkt auf absehbare Zeit global antreiben. Zu diesem Ergebnis kommt der TEFAF Marktbericht 2015. Wie schätzen Sie das zukünftige Verhältnis von online-vermarkteter Kunst und Messeformaten wie der ART COLOGNE ein?

Keine Frage, der Online-Kauf von Kunst hat in den letzten Jahren auf jeden Fall zugenommen. Aber einen zukünftigen reinen Onlinehandel halte ich für vollkommen unrealistisch. Kunst muss persönlich erfahren werden, und das geht nur in der direkten unmittelbaren Begegnung mit ihr. Eine Ausnahme ist natürlich Kunst, die extra für das Internet produziert wird.

Das Konzept einer Kunstmesse ist es, Leute aus aller Welt an einen Ort zu bringen, die das gemeinsame Interesse für Kunst haben. Das wird auch in Zukunft nicht durch virtuelle Kontaktmöglichkeiten ersetzbar sein.

Der aktuelle Trend großer Messen, Dependancen in anderen Ländern zu etablieren, wird meiner Meinung nach auch wieder zurückgehen. Die Idee, eine globale Messemarke zu kreieren, übersieht das ursprüngliche Ziel einer Kunstmesse, nämlich internationale Kunst in einer spezifischen Region zu präsentieren, wie zum Beispiel dem Rheinland mit seinem Umfeld NRW und den Beneluxländern. Die ART COLOGNE spiegelt den deutschen Kunstmarkt und ist ein Zugang für internationale Galerien zu Sammlern, Kuratoren und Museumsdirektoren aus Deutschland und der näheren Umgebung. Aber natürlich sind auch alle Besucher aus dem Ausland herzlich willkommen

Laut des TEFAF Berichtes verlor der europäische Kunstmarkt im internationalen Vergleich 2014 um 5 Prozent Marktanteil und vereinnahmt 32 Prozent der globalen Umsätze. London ist nach wie vor Europas Marktzentrum mit einem Marktanteil von 20 Prozent. Paris liegt bei ca. 6 Prozent und die Schweiz bei 2 Prozent. Deutschland findet sich etwas weiter hinten und besetzt etwa einen Prozent des Marktanteils. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Man sollte die Zahlen des TEFAF Marktberichts nicht unreflektiert betrachten. Die Ergebnisse basieren vor allem auf den Verkaufsergebnissen der großen Auktionshäuser in New York und London. Die deutschen Auktionshäuser veröffentlichen deutlich geringere Summen. Ich kenne selbst viele deutsche Sammler, die zum Beispiel bei Christie’s in London oder New York Kunst kaufen. Das Ergebnis dieser Verkäufe zahlt dann auf den US-amerikanischen Kunstmarkt ein, obwohl die Kunst danach in Deutschland zu finden ist.

Dazu kommt, dass der Bericht die Ergebnisse jeglicher Kunstgattungen mischt, also Angewandte Kunst, chinesische Kalligraphie, gemischt mit antiken Möbeln, Alten Meister bis hin zu Zeitgenössischer Kunst. Chinesische Auktionshäuser veröffentlichen oftmals die Gesamtwerte des Angebots und nicht nur die Verkaufsergebnisse wie es in Europa oder den USA üblich ist. Mit anderen Worten, man kann die Märkte anhand dieses Reports nicht wirklich vergleichen. Der Bericht lässt Privatverkäufe außen vor. Ich bin der Überzeugung, dass die meisten Verkäufe sowohl in der Anzahl wie auch im Umsatz über Galeristen getätigt werden, nicht über Auktionshäuser.

Wo liegen die Stärken des Kunstmarktes in Deutschland?


Der deutsche Kunstmarkt muss sich wahrlich nicht verstecken. Es gibt über 500 Galerien in Deutschland, das sind fast so viele wie in den USA. Dazu kommen noch die wichtigen Auktionshäuser wie Lempertz, Villa Griesebach, Ketterer oder Vanham. Viele der international agierenden Künstler kommen aus oder wohnen in Deutschland historisch wie zeitgenössich, von Sigmar Polke, Gerhard Richter und Georg Baselitz bis Neo Rauch oder Michel Majerus. Es sind einfach zu viele wichtige Namen, die hier den Rahmen sprengen würden.

Die ART COLOGNE ist unter Ihrer Leitung zu neuem Glanz erstrahlt und Deutschlands Kunstmesse Nummer 1. Welche Erfolgsstrategien können Sie kleineren, aufstrebenden Formaten ans Herz legen?

Unser Erfolg ist vor allem auf die gesunde Angebotsmischung von Klassischer Modern, Nachkriegskunst und Zeitgenössischer Kunst zurückzuführen. Die Aussteller der ART COLOGNE bringen Arbeiten mit, die eine Bandbreite abdecken, die mit der Entdeckung der Fotografie beginnt über die großen Avantgarden des 20. Jahrhunderts bis hin zur aktuellsten cutting edge art reicht. Entsprechend groß ist die Zielgruppe der Sammler, die nach Köln kommen. Hinzu kommt ein sehr strenges Auswahlverfahren durch unseren internationalen Beirat, der alle Bewerbungen genau prüft. Ich glaube, die Besucher der ART COLOGNE wissen, dass sie bei uns nur höchste Qualität und intelligente Kunst zu sehen bekommen.

Was sind die Top Themen der ART COLOGNE in diesem Jahr? Was zeichnet den Standort NRW und seine Künstler aus?

Neben einer hervorragenden Teilnehmerliste haben wir zwei neue Sektoren, die in diesem Jahr Premiere feiern. Die COLLABORATIONS sind die Fortsetzung unserer Zusammenarbeit mit der New Art Dealers Alliance. Gemeinsam mit der NADA hat die ART COLOGNE Galerien eingeladen, Arbeiten zu zeigen, die auf Kollaboration basieren. Das kann sowohl die Zusammenarbeit zweier Galerien bedeuten als auch ein Programm, das kollaborative Arbeiten zweier Künstler präsentiert. FILM COLOGNE wiederum ist ein Sektor, der sich ganz dem Thema Videokunst widmet. Gemeinsam mit dem Kunstsender SOUVENIRS FROM EARTH haben wir ein insgesamt neunstündiges Programm zusammengestellt, das relevante Bewegtbildkunst aus den letzten 50 Jahren zeigt. Neben einer extra eingerichteten Filmbar ist das Programm während der gesamten Messelaufzeit per Kabelfernsehen und online zu sehen. Ein weiteres Highlight ist unsere Zusammenarbeit mit dem Mondriaan Fund, der eine Soloschau des in Amsterdam lebenden Künstlers David Jablonowski präsentieren wird. Mit zahlreichen Spitzengalerien aus den Niederlanden und Belgien kann man in diesem Jahr schon fast von einem Beneluxschwerpunkt sprechen.