CREATIVE.Talk

Christina Quast ist seit ihrem Journalistik-Studium als Freiberuflerin in NRW unterwegs und kümmert sich um digitale Tools und Themen. Sie schreibt beim Blog journalisten-tools.de und spricht beim Podcast #eventgeflüster. Als Redakteurin ist sie für die gedruckte Broschüre zum Grimme Online Award verantwortlich, und als Team-Mitglied im MediaLabNRW organisiert sie Meetings, Workshops und das #MediaCampNRW für Medienleute. Am 12. Januar 2019 ist sie Mitorganisatorin des Barcamps "CREATIVE.Spaces exploring Hidden Values" zum Thema "Aufmerksamkeit als Währung der Zukunft" in Oberhausen – es ist bereits das fünfte Barcamp, das sie in NRW für die kreative Szene umsetzt.

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Der Journalismus hat es schwer in diesen Tagen. Vor allem Printmedien leiden stark unter dem digitalen Wandel; neue Modelle zur Wertschöpfung haben sich noch nicht wirklich durchgesetzt; der vielbeschworene Qualitätsjournalismus muss mit Fake News um Aufmerksamkeit kämpfen; Arbeitsverhältnisse sind oft prekär. Sie haben selbst einen journalistischen Hintergrund – wie würden Sie die momentane Situation beschreiben?

Ich denke nicht, dass früher alles besser war, sondern dass sich ein detaillierter Blick auf den Journalismus lohnt: Ein paar Redaktionen sind auf einem guten Weg, den digitalen Wandel zu meistern, indem sie sich ausprobieren und verändern. Zudem existieren zahlreiche Medien-Start-ups, die Nischen besetzen und damit erfolgreich sind. Nicht alle werden überleben – egal, ob eingesessenes Medienhaus oder frisches Start-up.

Und trotzdem bietet die Digitalisierung immer neue Wege für Journalismus – aktuell mit Formaten, die durch Sprache geprägt sind: zum Beispiel Chatbots und Sprachassistenten. Denn Journalismus ist ja nicht auf Zeitung, Radio oder Fernsehen als Ausspielweg beschränkt.

Am 12. Januar 2019 organisieren Sie mit dem MediaLAB.NRW und in Kooperation mit CREATIVE.NRW ein Barcamp zum Thema „Aufmerksamkeit als Währung der Zukunft“. Inwiefern können speziell Journalistinnen und Journalisten sich die „Hidden Values“, also versteckte Werte wie eben beispielsweise Aufmerksamkeit, Beziehungen, Daten oder Einzigartigkeit, zu Nutze machen?

Daten-Journalismus ist schon eine eigene Disziplin, die einerseits zeigt, dass man nicht gut schreiben, sprechen oder schneiden können muss, um im Journalismus zu arbeiten. Wichtig ist, auch alle anderen „Hidden Values“ für sich als Journalist umzusetzen, denn andererseits genügt es nicht mehr, nur gut schreiben, sprechen oder schneiden zu können. Mit einer einzigartigen Mischung aus persönlichen und fachlichen Fähigkeiten kann man auf sich aufmerksam machen: Ich habe mich früh auf Twitter spezialisiert und durch die Berufsbezeichnung „Hashtaghüterin“ zunehmend Aufmerksamkeit und Aufträge erhalten.  

In welchem Verhältnis stehen Aufmerksamkeit und Information Ihrer Meinung nach heute zueinander? 

Derzeit leider in einem gegensätzlichen – meist erhalten Geschichten, die Emotionen auslösen oder bedienen, mehr Aufmerksamkeit als Geschichten, die wichtige und richtige Informationen vermitteln. Dieses Missverhältnis möchten wir auch beim #MediaCampNRW thematisieren und fragen, wie man mehr Aufmerksamkeit für echte Informationen schafft.

Welche Chancen sehen Sie in einer engeren Zusammenarbeit der Medienleute mit anderen Kreativen? Und welche Maßnahmen könnten eine verstärkte Zusammenarbeit zukünftig fördern? 

Es können neue und interessante Kooperationen und Strukturen entstehen, die nicht zwingend auf Medienhäuser angewiesen sind. So habe ich mit Kollegen aus der Eventbranche einen Podcast begonnen. Wichtig ist, dass sich Kreative mit ihren Produkten und Dienstleistungen positionieren und sichtbar werden. Für mich hat es sich immer gelohnt, Menschen aus anderen Branchen bei Veranstaltungen zu treffen, statt sich nur in der eigenen Branche mit Menschen zu vernetzen, die letztlich im selben Markt tätig sind.

Sie haben sich dazu entschlossen, die Veranstaltung in Form eines Barcamps abzuhalten. Welche Vorteile hat dieses Veranstaltungsformat Ihrer Meinung nach?

Ich mag das Format, weil die Gäste zu Beginn über das Programm entscheiden. So kann niemand kritisieren, dass ein Thema nicht vorgekommen ist. Auch lassen sich sehr aktuelle Themen besprechen – anders als bei Konferenzen, die lange im Voraus geplant werden. Und es ist möglich, auch Themen zu entdecken, mit denen man sich sonst nicht beschäftigt hätte. So habe ich bei einem Barcamp erfahren, wie man Pilze aus Kaffeesatz züchtet.

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