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Helen Goulden (Nesta Innovation Lab), Carsten Foertsch (Deskmag) Francesca Pick (OuiShare)

CREATIVE.NRW sprach mit Helen Goulden (Direktor Nesta Innovation Lab), Carsten Foertsch (Gründer Deskmag) und Francesca Pick (Redakteurin OuiShare) über kollaborative Ökonomien, neueste Entwicklungen und Geschäftsmodelle des Teilens sowie die Zukunftsrelevanz des Themas.

Teilen, tauschen und kollaborieren sind keine neuen Konzepte in unserer Gesellschaft. Was ist das Neue am Modell der kollaborativen Ökonomie?

Francesca Pick: Soziale Praktiken des Teilens, Tauschens und Schenkens in Gemeinschaften sind seit Jahrhunderten gewachsene Traditionen. Das Neue an den Entwicklungen kollaborativer Ökonomie ist, dass (in vielen Fällen) das Teilen von Vermögenswerten bequemer, billiger und einfacher wird im Vergleich zu traditionellen Modellen von Besitz. Dies begünstigt, dass kollaborative Wirtschaftspraktiken einen neuen Maßstab erreichen können.

Carsten Foertsch: Man muss realistischerweise bedenken, dass kollaboratives Wirtschaften und Teilen zum Herzstück jeder Gesellschaft gehören. Das Wirtschaftssystem assoziieren viele mit besseren Wertvorstellungen, es findet sich jedoch auch bei Kartellen und Mafia-Netzwerken. Als Betriebssystem ist die kollaborative Wirtschaft offen für alle möglichen Werte, war sie schon in der Steinzeit. Demnach kommt es auf die Gemeinschaft dahinter und das Wie im Kollaborationsprozess an, also die Software. Heutzutage ist es einfacher denn je, individuelle oder individualisierte Services und Waren unmittelbar miteinander zu teilen – auch mit eigentlich Unbekannten, was den Markt für jeden einzelnen vergrößert. Außerdem erreicht man heute Leute viel einfacher in Echtzeit. Smartphones ersetzen den Reiseführer, sie können theoretisch eine ganze Reise-Bibliothek speichern, sie erleichtern den direkten Zugang zu aktuellen Informationen. Das verändert Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Helen Goulden: Gerade technologische Neuerungen befähigen und begünstigen Innovationen im Bereich kollaborativer Ökonomie. Es besteht ein vermehrtes Interesse unterschiedlichster Unternehmen gegenüber dem Thema. Grund hierfür ist einerseits die scheinbar problemlose Implementierung der Innovationen in die Geschäftsmodelle von Firmen. Dahinter steht aber auch, ob reflektiert oder nicht, ein größerer Trend: Wir alle wissen, dass ökonomisches Wachstum aufgrund schwindender Ressourcen Grenzen ausgesetzt ist. Konsumenten reflektieren ihr Kaufverhalten zunehmend. Kollaboratives Konsumieren ist der erste Schritt dazu, die „Bruchstücke und Atome“ zu verbinden, um mit Chris Andersons Worten zu sprechen. Das Internet spielt hierbei eine tragende Rolle.

Was sind die (allgemeinen) Vorteile kollaborativer Geschäftsentwicklungen?

Francesca Pick: Es ist schwierig, von „generellen“ Vorteilen zu sprechen. Bekannte Vorteile im Bereich des kollaborativen Konsums sind konkrete Einsparungen an Geldmitteln, da Güter geteilt werden und durch das Teilen wiederum Einkommen erzielt werden kann.

Carsten Foertsch: Es geht nicht ausschließlich um Preisvorteile, sondern auch um Qualitätsvorteile. Außerdem erleichtern sie den Zugang zu Gütern und Diensten, und können potentiell den Ressourcenverbrauch senken, mit positiven Auswirkungen auf die Umwelt.

Francesca Pick: Sicherlich, viele Projekte haben ökologische Vorteile. Die Formel: Je weniger Konsum, desto weniger Müll. Dennoch ist es bis dato schwer messbar, wie groß die tatsächlichen ökologischen Auswirkungen dadurch sind, dass die Umverteilung und Wiederverwertung von Gütern teils mehr Ressourcen frisst als schont. 


Carsten Foertsch: Außerdem bieten sie soziale Vorteile. In Coworking Spaces wird nicht nur die Infrastruktur, sondern auch der Erfahrungsschatz geteilt. Das ist eine andere Art von Nachhaltigkeit, die sozial ist und Spaß macht. Am Ende des Tages hängen der Erfolg und die Vorteile jedoch davon ab, was man selbst daraus macht.

Helen Goulden: Das hängt auch davon ab, wie man den Markt definiert. Für einige Experten ist die kollaborative Ökonomie nicht mehr als eine andere Form des Leasing-Marktes mit dem Fokus auf langfristigeren Nutzen und Lebensdauer von Produkten. Das hat möglicherweise sehr positive Auswirkungen auf die Umwelt.
Wir wissen jedoch auch, dass sich Menschen durch das Teilen von Fähigkeiten und die Bereitstellung von Zeit wieder stärker ehrenamtlich engagieren.