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Bilanz Corona-Jahr 2020

Die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Selbstständigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft wurden von dem Netzwerk Promoting Creative Industries, dem auch CREATIVE.NRW angehört, und dem Bundesverband Kreative Deutschland veröffentlicht.

Die Bilanz zeigt: Die Akteur:innen sind an einem wirtschaftlichen Limit angelangt und rechnen erst ab 2022 mit einer Besserung. Gleichzeitig gab es positive Effekte auf neue Kooperationen, neue Projekte und Formate, Änderung der Geschäftsmodelle und die Digitalisierung.

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

  • 83 % der Selbstständigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft geben an, dass die Krise im Jahr 2020 sehr negative oder eher negative Auswirkungen auf ihre Selbstständigkeit hatte.
  • Selbstständige haben substantiell Rücklagen aufgezehrt, mit langfristigen sozialpolitischen Folgen und Auswirkungen auf Investitions- und Innovationsmöglichkeiten.
  • Selbstständige erwarten eine wirtschaftliche Erholung erst für das Jahr 2022.
  • Die Corona-Krise war ein Booster für Kooperationen innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft und hat der Branche einen Digitalisierungsschub verliehen.
  • Gründer:innen blicken (noch) pessimistischer in die Zukunft und haben sich im vergangenen Jahr öfter eine abhängige Beschäftigung gesucht als Selbstständige, die schon länger am Markt sind.
  • 52 % der Selbstständigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft sehen ihre wirtschaftliche Existenz stark oder sehr stark gefährdet.
  • 42 % der Selbstständigen verzeichneten 2020 Umsatzrückgänge von über 70 % in direktem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Zum Vergleich: Im Frühjahr letzten Jahres rechnete jede/r Fünfte mit Umsatzverlusten von über 50 %. Die Umsatzverluste fallen damit für viele deutlich drastischer aus, als zu Beginn der Pandemie angenommen.

Reaktionen auf die Krise:

Viele Selbstständige reagierten agil auf die Krise und

  • entwickelten neue künstlerische bzw. kreative Ideen und Projekte,
  • stellten ihr Geschäftsmodell um bzw. erweiterten dies,
  • bildeten sich weiter,
  • brachten neue Technologien zur Anwendung,
  • optimierten Arbeitsabläufe,
  • digitalisierten ihre Angebote und
  • erschlossen neue Netzwerke bzw. Kundengruppen.

Maßnahmen zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz:

Für die meisten Befragten stehen ein Unternehmerlohn bzw. ein Grundeinkommen an erster Stelle, um ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern. Für viele ist auch der Austausch mit anderen Selbstständigen eine wichtige Unterstützung. Auch Beratungs- und Weiterbildungsangebote, Beratungsförderung, finanzielle Unterstützung für Betriebskosten und Investitionen in Innovation und Digitalisierung werden als sinnvolle Unterstützung befürwortet. Öffnungsperspektiven, die die Wiederaufnahme der künstlerischen und kreativen Arbeit erlauben und Planungssicherheit geben, werden ebenfalls als Voraussetzung für die Sicherung der Existenz genannt.

Die wichtigsten Ergebnisse für NRW:

  • 56 % sehen ihre wirtschaftliche Existenz stark oder sehr stark gefährdet, dieser Wert liegt in NRW etwas über dem bundesweiten Durchschnitt von 52 %.
  • 39 % der Selbstständigen (bundesweit sind es 42 %) verzeichneten 2020 Umsatzrückgänge von über 70 % in direktem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. 
  • Selbständige aus Nordrhein-Westfalen stimmen der Aussage, dass die Interessen von Solo-Selbständigen und Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft gegenüber der Politik in ihrem Bundesland gut vertreten waren eher zu als der Aussage, dass diese Interessen gegenüber der Politik auf Bundesebene gut vertreten waren.
  • Von den Umsatzrückgängen sind in NRW besonders stark die Musikwirtschaft, die Darstellenden Künste und der Kunstmarkt betroffen.

An der Befragung nahmen 2.006 Selbstständige aus dem gesamten Bundesgebiet im Zeitraum 13. Januar bis 14. Februar 2021 teil, die sich der Kultur- und Kreativwirtschaft zuordnen. Es waren überwiegend Selbstständige ohne Beschäftigte, darunter 74 % Solo-Selbstständige und 13 % Selbstständige, die (auch) mit anderen Selbstständigen im Verbund arbeiten. 

Zu den Umfrageergebnissen

Mehr Informationen zum Netzwerk Promoting Creative Industries und Kreative Deutschland