Creative.Talk

CREATIVE.NRW sprach mit Klaus Mainzer, Wissenschaftsphilosoph und Komplexitätsforscher, über Verhältnis von Mensch und Maschine, die Rolle der Kreativität im Umgang mit technologischem Fortschritt und über Szenarien einer superintelligenten Zukunft.

Herr Mainzer, Maschinen sind im Trend. Filme wie Ex Machina oder Her bringen uns die Utopien in regelmäßigen Abständen auf die Leinwand. Wie weit entfernt sind wir von diesen Szenarien?

Von dem Film "Her" sind wir nicht mehr weit entfernt. Software, die in natürlicher Sprache spricht und versteht, ist auf Supercomputern längst realisiert, in absehbarer Zeit auf unseren Smartphones. Humanoide Roboter, die ähnlich wie Menschen fühlen und Bewusstsein entwickeln wie im Film "ex machina", werden noch auf sich warten lassen, weniger wegen fehlender Rechenkapazität, sondern weil uns noch Wissen über das Gehirn fehlt.

Wie beeinflussen Maschinen und Automatismen unsere Kreativität?

Entdeckungen und Erfindungen sind heute bereits ohne Computer kaum noch möglich: Denken Sie an die Elementarteilchenforschung in CERN, die Astronomie oder die Molekularforschung und Medizin, wo Algorithmen Millionen und Milliarden von Daten durchforsten, um Korrelationen und Gesetzmäßigkeiten zu entdecken. Entwicklungen der Technik sind ohne vorherige Computersimulationen nicht mehr möglich. Aber auch Kunst und Design greifen auf den Computer zurück. Selbst Journalismus benutzt bereits Software, die fehlerfrei und besser formuliert als die meisten Zeitgenossen. Noch allerdings geben wir die Richtung an, welche Art von Elementarteilchen, Sternen oder Molekülen der Computer suchen soll, zu welchem Thema er schreiben soll. Wie lange noch?

Wie würden Sie das Beziehungsgeflecht zwischen Menschen und Maschinen beschreiben? Sprechen wir bald von einem Gegeneinander im Sinne eines versus oder hängen die Dinge nicht weitaus organischer zusammen?

Wir erleben derzeit eine Symbiose von Mensch und Maschine.  In den Infrastrukturen, Informations- und Kommunikationssystemen von Wirtschaft und Gesellschaft wachsen Mensch und Maschine bereits zusammen. Wir sprechen daher von soziotechnischen Systemen: Automatisierte Fabriken (Industrie 4.0), Städte (Smart Cities) und Energiesysteme (Smart grids) sind die Vorstufen einer neuen Art von sich selbst steuernden Systemen auf dieser Erde. Einige erwarten oder fürchten den Sprung zu einer Superintelligenz. Wo bleibt der Mensch? 

Worauf dürfen wir am kommenden Montag gespannt sein?

Es geht um unser aller Zukunft. Technikgestaltung ist "die" Herausforderung der Menschheit für die nächsten fünfzig bis hundert Jahre. Gereicht diese Entwicklung zu unser aller Wohl, besiegt z.B. Krankheit und Armut, oder lässt sie uns in eine von Staat und Konzernen gesteuerte und überwachte Welt abstürzen.