Artikel

CREATIVE.NRW

Rückblick CREATIVE.CITY: Kreative Beteiligungsmodelle zulassen!

Rund 100 Experten aus Immobilienwirtschaft, Kreativwirtschaft, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung diskutierten am 13. Juni 2013 im ROTONDA Business-Club Köln, welche Rolle Ideen und Projekte aus der Kreativwirtschaft für die nachhaltige Entwicklung von Immobilien, Quartieren und Städten spielen. Die Kernthemen: neue Beteiligungs- und Stadtrendite-Modelle, mehr Mut zu einer öffentlichen Planungskultur und ein Verständnis von Stadt als Labor.

Kommunikation ist das A & O

„Wenn wir so weiter wirtschaften, benötigen wir bis in das Jahr 2050 drei neue Erden“, eröffnet Klaus Burmeister (Managing Director Z_punkt) provokativ seinen Vortrag. Für mehr Lern- und Innovationsbereitschaft könne ein Verständnis von Stadt als Labor sorgen. Hierbei geht es Burmeister nicht um Science-Fiction-Utopien. Er führt fort, dass es in Zukunft mehr und mehr auf kreative Lösungen und soziale Innovationen ankommen wird. In neuen Beteiligungsformaten, Anreizsystemen und Wettbewerbsmustern sowie im Herauskitzeln von mehr Kommunikationsbereitschaft und Empathie sieht Burmeister die größten Potentiale für organisatorische Innovationen als Kern einer kreativwirtschaftlich inspirierten Planungs- und Baukultur.

Auch für Martin Platzer (Kompetenzzentrum Social Design, Hochschule Niederrhein) sind veränderte Lernprozesse essenziell für die Stadt von Morgen. In seiner Präsentation veranschaulichte er, wie mit Hilfe der Strategie des Design Thinkings neue informelle Wege in der Planung gegangen werden können. Das A und O: Kommunikation. Neben den traditionellen inhaltlichen Planungen müssen Stadtplaner und Architekten lernen zu navigieren, zu übersetzen und zu beraten – mit dem Ziel, sich stärker in die Situation der „Nutzer“ von Raum hineinzuversetzen.
 
Eine Symbiose von bestehenden Planungsprinzipien und Prinzipien des Design Thinkings könnte laut Platzer Abhilfe schaffen. Akteure der Stadt- und Immobilienentwicklung müssen nutzerzentriert denken, Kollaborationen ermöglichen, dabei experimentierfreudig sein und ein ganzheitliches wie auch langfristiges Planungscredo verfolgen. „Wir gestalten nicht mehr nur zweckdienlichen Raum, sondern das Leben in Stadträumen und damit komplexe urbane Systeme. Anstelle von punktueller Bürgerbeteiligung brauchen wir hierfür eine langfristige kollaborative Arbeitskultur auf Augenhöhe zwischen Bürgern, Planern, Politikern und Projektentwicklern“, so Platzers Resümee.

Innovationen an den Rändern zulassen

In dem darauf folgenden Programmpunkt werden vier konkrete Praxisprojekte präsentiert. Marc Piesbergen (Belius GmbH und Berater des Planet modulor) zeigte anhand des prosperierenden Areals rund um den Moritzplatz in Berlin, welche positiven Auswirkungen eine integrative Standortentwicklung haben kann. „Stadtrendite, also der Wert, den die Entwicklung eines Areals der Stadt bringt, muss nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten errechnet werden, sondern soziale und kulturelle Aspekte einpreisen“, fordert Piesbergen. Von einzelnen großen Playern hätte nie ein derart positiver wirtschaftlicher wie kultureller Reichtum im Quartier rund um den Moritzplatz erzeugt werden können.

Dass es auch in NRW nicht an kreativem Ideenreichtum mangelt, bewiesen Christian Hampe (Utopiastadt, Wuppertal) und Stefanie Weidner (Solution Space, Köln) in ihren Kurzvorträgen. Sowohl in Köln als auch in Wuppertal schuf man aus eigener Kraft neue Ökosysteme des Zusammenlebens und -arbeitens. Ob der ehemalige Mirker Bahnhof in Wuppertal oder der Solution Space in Köln: Beide Projekte zeigen, dass es auf die richtigen Netzwerke ankommt. Stefanie Weidner betonte, dass allein in Köln weitere 500.000 Quadratmeter Fläche mit Leben gefüllt werden könnten. Hierzu bedarf es wesentlich mehr Offenheit und Bereitschaft seitens der Immobilienwirtschaft und Stadtverwaltung.

Die Kölner GAG zeigte, dass dies möglich ist. In seinem Vortrag erläuterte Jörn Rickmann (Leiter Team Bauplanung) anhand des Projektes „grüner Weg“ im Kölner Stadtteil Ehrenfeld, wie der Kölner Immobilienriese mit der Kreativwirtschaft zusammenarbeitet und Projekte plant. Die GAG arbeite als Wohnungsbaugesellschaft für sozialen Wohnungsbau mit Kreativen an zeitgemäßen Lösungen. Auch in Ehrenfeld ziehe man die Kreativen von Beginn an mit ein. Erste Schritte seien durch ein gemeinsames Urban-Gardening-Projekt mit dem angrenzenden Design Quartier Ehrenfeld DQE eingeleitet.

Wir brauchen einen Arbeitskreis!

Nach den Praxisbeispielen mündete das Programm in vier Workshops, in denen das Fachpublikum konkrete Ansätze für neue Wege in der Stadtplanung und Architektur erarbeitete. Ob Design Thinking, Inkubatoren, Coworking oder die kreative Stadtrendite: Kreative sind ernstzunehmender Partner in Stadtplanung und Immobilienentwicklung und liefern innovative und nachhaltige Konzepte für die zukunftsfähige Stadt in NRW. Auch Open Data, Crowdfunding und alternative Bieterwettbewerbe bieten hier Lösungen. Über Kampagnen, Personas bzw. Nutzermodelle, die Personen einer Zielgruppe in ihren Merkmalen charakterisieren oder Veranstaltungen kann Beteiligung attraktiver inszeniert werden. Mit der Gründung eines Initiativkreises, der Vernetzung auf NRW Ebene und dem Platzieren des Themas im Verband der Wirtschaftsförderungen und der IHKen sollen diese Impulse nun ausgearbeitet und der Dialog NRW-weit vorangetrieben werden.

Die Präsentationen der einzelnen Referenten finden Sie hier.

Weitere Bilder finden Sie hier.