Creative.Talk

CREATIVE.NRW sprach mit Bianca Seidel, Initiatorin des designertreff düsseldorf und des create:business Start-up-Day für Gründer, über aktuelle Entwicklungen in der Designszene in Düsseldorf, den Aufbau von Netzwerken und die Verbindung von regionalen und überregionalen Netzwerken in der Kreativwirtschaft.

Sie vernetzen seit mehr als 10 Jahren Designer in Düsseldorf und beraten diese beim Auf- und Ausbau ihrer Geschäftsmodelle. Was ist der Schlüssel für gutes und nachhaltiges Netzwerken?

Hier sind mehrere Faktoren von Bedeutung. Die Lust am Netzwerken ist jedoch am wichtigsten. Denn Netzwerken ist immer etwas Aktives, das heißt die Menschen müssen sich bewegen und mit anderen in Kontakt treten. Wer diese Leidenschaft verspürt, ist neugierig auf das, was sich jenseits des Tellerrands befindet, und deshalb auch stark motiviert, Kontakte in anderen Bereichen und anderen Branchen zu knüpfen.

Dies gilt natürlich für die Teilnehmer von Netzwerkveranstaltungen, aber auch insbesondere für deren Schlüsselfiguren wie den Initiatoren und Beratern. Diese Möglichkeit, Verknüpfungen zu schaffen, ist es, was mich persönlich antreibt. Ich vernetze mich gerne mit anderen Branchen und Akteuren auch über geografische Grenzen hinaus. Dabei überlege ich immer, wie ich Verbindungen zur Kreativwirtschaft oder meinem Netzwerk herstellen könnte.

Ein erfolgreiches Netzwerk baut man nicht von heute auf morgen auf. Es ist vielmehr wie Marathonlaufen. Wer nicht bereit ist, großen Einsatz mit einem hohen zeitlichen Engagement zu erbringen, wird dieses Ziel kaum erreichen.

Mit dem Format designertreff düsseldorf bringen Sie eine große Anzahl von Akteuren zusammen. Mit create:business veranstalten Sie erfolgreich einen Start-up-Day in Düsseldorf. Wo steht die Gründer- und Start-up-Szene in Düsseldorf?

In Düsseldorf sieht es nicht viel besser aus als in NRW oder sonst irgendwo in Deutschland. Es werden über alle Fachrichtungen hinweg zu viele Designer ausgebildet. Im Modedesign beispielsweise besteht von Seiten der Industrie nur ein Bedarf von rund 10% der ausgebildeten Designer. In anderen Fachbereichen sieht es ähnlich aus. Was machen denn die anderen 90%?

Viele davon gründen ein Unternehmen, ohne dabei die notwendigen betriebswirtschaftlichen Kompetenzen zu haben. Im Studium findet eine sich an der Realität orientierende Ausbildung, bis auf wenige Ausnahmen, noch nicht statt. Dieses Feedback bekomme ich häufig in meinen Beratungen von meinen Kunden und unseren Workshop-Teilnehmern.

Aus dieser Erkenntnis heraus bieten wir im designertreff düsseldorf immer schon kostenfreie Vorträge und Veranstaltungen an, um die Professionalisierung der heimischen Designer voranzutreiben. Seit 2013 organisieren wir zudem mit create:business einen Start-up-Day für Kreativunternehmer, der immer zeitgleich mit der Gründerwoche Deutschland im November stattfindet. Die durchweg positive Resonanz auf die angebotenen Themen zeigt uns, wie wichtig dieses Angebot für die Designer, die übrigens aus ganz NRW kamen, ist. Deshalb planen wir, create:business in diesem Jahr noch deutlich zu erweitern.

Technologische Entwicklungen wie die Digitalisierung aber auch neue Trends wie Coworking und andere ortsungebundene Arbeitsweisen verändern auch die Kreativbranche. Wie hat sich Ihre Arbeit diesbezüglich in den letzten Jahren verändert?

Es ist für mich als Beraterin und für meine Kunden vieles einfacher geworden. So kann ich beispielsweise Designer bundesweit beraten, ohne dass wir uns kontinuierlich persönlich sehen müssen. „Wir sind uns fern und doch so nah“, umschreibt es ganz passend. So finden viele meiner Beratungen mittlerweile via Skype statt, Dokumente werden digital übermittelt und Businesspläne oder Excel-Tabellen über Cloud-Lösungen gemeinsam und zeitgleich bearbeitet. Gerade in der Finanzplanung ist dies extrem hilfreich.

Noch positiver wirken sich diese Effekte bei der Beratung von Gründerteams aus, die räumlich getrennt an einem Businessplan arbeiten. Also, ich finde das fantastisch.

In NRW haben wir viele Regionen mit unterschiedlichen kreativwirtschaftlichen Profilen/Stärken. Welche Rolle spielt die überregionale Zusammenarbeit für Sie?

Der designertreff düsseldorf hat, auch wenn der Name anderes vermuten lässt, sich nie als „nur“ lokales Netzwerk verstanden. Von Anfang an haben wir den Kontakt und Austausch zu den relevanten Designverbänden und anderen regionalen Netzwerken gesucht. Die Fokussierung aufs lokale Umfeld ist aus unserer Sicht nicht der richtige Weg. Es ist doch bereits Realität, dass Designer aus Düsseldorf, aus Essen oder einem beliebigen anderen Ort in NRW mit Designern aus aller Welt konkurrieren.

Mit zunehmender Digitalisierung bietet sich ein enormes Potenzial im interkulturellen Austausch. Allerdings sollte dieser Austausch unter fairen Bedingungen stattfinden, was bedeutet, dass eine angemessene Vergütung der Designleistung garantiert wird. Jeder, der sich die jeweiligen Preismodelle einmal genauer ansieht, wird verstehen, dass genau dies bei den meisten Portalen nicht im Fokus steht.

In Anbetracht dieser Entwicklung müssen wir mit dem designertreff düsseldorf natürlich weit über die Stadtgrenzen Düsseldorfs hinweg denken. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Stimmen der vielen Einzelkämpfer auf der lokalen Ebene zu bündeln. Wir brauchen aber eine starke Dachorganisation, die uns überregional mit anderen Netzwerken verknüpft – in NRW, im Bund und in Europa – und so den Stimmen ein größeres auch politisches Gewicht geben.