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Nick Esser | Bildender Künstler 

Am 6. Oktober 2021 gastiert CREATIVE.NRW mit einem umfangreichen Programm auf der Start Art Week, dem ersten Start-up-Event für die Kunst und die Kunstschaffenden. 

Die Start Art Week findet vom 1. bis 10. Oktober unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und mit Unterstützung vieler Akteur:innen der Kunstszene und der rheinländischen Kreativwirtschaft (unter anderem im neuen Wacom Experience Center) in Düsseldorf statt und bietet ein abwechslungsreiches Programm aus Fachwissen und Netzwerkevents. In zahlreichen Formaten geht es um Finanzierungs- und Rechtsfragen, Projektplanung, Ausstellungsmanagement, Marketing, Kommunikation, Internet und Social Media sowie um Förderprogramme und Antragsgestaltung. Die Start Art Week wird gefördert im Programm NEUSTART KULTUR der Staatsministerin für Kultur und Medien. 

Initiator der Start Art Week ist Nick Esser. Als gelernter Grafiker und Fotograf hat Esser seine berufliche Tätigkeit über verschiedene Stationen im Tagungs-, Veranstaltungs- und Event-Marketing-Bereich seit einigen Jahren immer mehr auf die Bildende Kunst verlagert. Die Schwerpunkte seiner eigenen künstlerischen Arbeit liegen im Bereich der Konzeptkunst, Fotografie und Collage. Seit 2018 ist er Vorstandssprecher des Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Düsseldorf e.V. und hat in dieser Rolle nun erstmals das neue Format der Start Art Week auf den Weg gebracht. 

Im CREATIVE.TALK sprechen wir mit Nick Esser über seine unermüdliche Verbandsarbeit, die bittere Erkenntnis, dass es vielen Kunstschaffenden an grundlegenden unternehmerischen Kenntnissen fehlt, und schließlich über sein Bemühen, dem überholten Verständnis des Zusammenspiels von Kunst und unternehmerischem Handeln mit der Start Art Week etwas Konstruktives entgegenzusetzen.

„Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e. V. vertritt seit 1972 die berufsständischen Interessen der freischaffenden Bildenden Künstler:innen gegenüber Politik und Verwaltung des Bundes“, heißt es auf der Homepage des BBK. Wie würden Sie es einem Laien erklären: Was sind die primären Aufgaben und Ziele des Verbandes? Mit welchen schwerpunktmäßigen Problemen und Herausforderungen sind sie in Ihrer Arbeit ganz aktuell konfrontiert?   

Auf nationaler Ebene betreibt der BBK im positiven Sinne klassische Lobbyarbeit. Gleichwohl geht es auch um ganz praktische Verbandsarbeit, also um Information und Beratung Bildender Künstler:innen beispielsweise zu (kultur-)politischen Themen, rechtlichen Fragen, Fördermöglichkeiten und -programmen und aktuell natürlich vermehrt zu Fragen rund um Corona und darauf bezogene Hilfsprogramme. Darüber hinaus ist der BBK selbst auch Partner des Bundes und der Länder im Rahmen der Umsetzung von Förderprogrammen. Hierzu zählen das  Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung oder „NEUSTART KULTUR – Neustart für Bildende Künstlerinnen und Künstler“ der Staatsministerin für Kultur und Medien.

Als Düsseldorfer Bezirksverband unterhalten wir mit dem BBK Kunstforum zudem eigene Ausstellungs- und Projekträume. Jedes Jahr finden hier zwölf Ausstellungen mit unseren Mitgliedern, aber auch in Kooperation mit anderen Kunstvereinen und -initiativen statt.

Was gab für Sie persönlich den Impuls, die Start Art Week zu initiieren? Wie kommt man auf die Idee, unternehmerisches und künstlerisches Denken und Handeln in einem Netzwerkevent zusammenzuführen? 

Kurze Zeit, nachdem ich begonnen hatte, mich im BBK auf Verbandsebene zu engagieren, musste ich feststellen, dass es vielen Kunstschaffenden an grundlegenden unternehmerischen Kenntnissen fehlt. Das fängt oft schon bei der Unkenntnis darüber an, wie eine ordnungsgemäße Rechnung zu erstellen ist oder wie eigene Arbeiten bzw. Kosten zu kalkulieren sind. Um den Ursachen auf den Grund zu gehen und mögliche Lösungsansätze zu entwickeln, folgten viele persönliche Gespräche mit den unterschiedlichsten Akteur:innen aus Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft. Im Ergebnis hatten alle die gleichen Erfahrungen im Umgang mit Kunstschaffenden gemacht und bemängelten deren „laienhaftes“ geschäftliches Gebaren. Den letzten ausschlaggebenden Impuls gab jedoch die Anmerkung auf Verbandsebene: „Das lernen Künstler nie!“ Das Gegenteil wollte und will ich beweisen.

Zum Auftakt der Start Art Week macht sich Prof. Dr. Peter M. Lynen, u.a. Leiter des Zentrums für Internationales Kunstmanagement CIAM in Köln, Gedanken über das ambivalente Verhältnis von künstlerischer Schöpfung und unternehmerischem Handeln. Gleichwohl zeigt ein Motiv der Werbekampagne das Tony-Cragg-Zitat: „Ich bin Künstler, kein Unternehmer.“ Ist das in Ihren Augen so etwas wie ein Mantra, hinter dem sich Künstler:innen allzu oft verstecken?

Dieses Zitat beschreibt ein längst überholtes und meines Erachtens grundlegend falsches Verständnis des Zusammenspiels von Kunst und unternehmerischem Handeln. Dabei ist der Urheber dieses Zitats als Künstler selbst ein international sehr erfolgreicher Unternehmer.

Eine treffende Erwiderung gibt der nicht weniger erfolgreiche Künstlerkollege Christo in einem Interview aus dem Jahr 2010: „Kunst ist (…) ein Geschäft, kein Hobby. Es ist doch töricht, das Geschäftsleben schlechtzureden, denn die Kunst ist wie das Business Ausdruck menschlicher Energie. Beide tragen irrationale Züge in sich. Selbst die verrückteste Kunst hat eine Beziehung zum Geschäft. Das Geschäft gehört zum Leben.“

Die Start Art Week richtet sich insbesondere an Kunstschaffende, die am Beginn ihrer Karriere stehen und/oder noch nicht ausreichend etabliert sind. Wo sehen Sie in diesem Zusammenhang die größten Lücken, was eine Grundversorgung junger Künstler:innen an Wissen, Förderung und Know-how betrifft?  

Der Bedarf umfasst wirklich alle Themenfelder, die für eine selbstständige berufliche Tätigkeit relevant sind. Im Vordergrund des Interesses stehen sicherlich Fragen zur eigenen Vermarktung und zum Bereich Social-Media-Marketing. Darüber hinaus sind innovative Wege der Finanzierung künstlerischer Projekte sowie Expert:innenwissen in Richtung Förderprogramme und Antragsgestaltung von besonderer Bedeutung. Nach den bisherigen Anmeldezahlen der Start Art Week zeigt sich aber auch, dass klassische Workshops wie beispielsweise zur Erstellung von Kunstbüchern (Workshop der künstlerischen Direktorin der KAI10/Arthena Foundation, Julia Höner – „Über die Kunst, ein Kunstbuch zu machen“) sehr gefragt sind.

Als Ausblick auf 2022 gibt es bereits einige Zusagen hinsichtlich einer inhaltlichen Beteiligung, die weitere interessante Themenbereiche eröffnen. Dergestalt ist eine Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Kunstpalast, der Kunsthalle und der Art Düsseldorf im Gespräch. Hier wird es ganz konkret um Projektplanung, Finanzierung und künstlerische Vermarktung gehen. Einen Termin, den man sich auf jeden Fall vormerken sollte, wird eine Veranstaltung von Mela Chu von BLCKSWN Consulting in Köln sein. Thema: Künstlerische Schöpfung und NFTs.

Die Start Art Week wird gefördert vom Programm NEUSTART KULTUR der Staatsministerin für Kultur und Medien, verhandelt aber auch die Frage, inwieweit Kunst und Kultur längst relevante Wirtschaftsfaktoren sind. Dementsprechend kommt der erste Impuls zur Eröffnung am 1. Oktober vom Wirtschaftsförderungsamt der Stadt Düsseldorf, Sie kooperieren auch mit dem KomKuk – Kompetenzzentrum Kultur- & Kreativwirtschaft der Wirtschaftsförderung Düsseldorf. Wie essentiell ist das Zusammendenken dieser beiden Ressorts für sie, auch für die Zukunft der Start Art Week und ihrer inhaltlichen Ziele? 

Die Start Art Week lebt vom Zusammenwirken von Kunst/Kultur und Wirtschaft. Darum ist die Frage kurz und bündig zu beantworten: Ohne die weitreichende Kooperation und Unterstützung aus beiden Bereichen wäre eine Initiative wie die Start Art Week nicht denkbar.

Die Start Art Week bündelt eine Fülle von bereits vorhandenem Expert:innenwissen. Warum sollte der Versuch unternommen werden, das Rad neu zu erfinden? Dementsprechend ist es so erfreulich, dass unsere Initiative eine so große Unterstützung nicht nur durch die klassischen Akteur:innen der Kulturförderung erfährt, sondern gerade auch durch die Wirtschaft.

Welche Partner:innen und Netzwerke sind darüber hinaus in die Start Art Week involviert? Auf welche Veranstaltungen freuen Sie sich persönlich am meisten?

Alle Partner:innen der Start Art Week zu benennen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Festzustellen ist, dass wir auf unsere Anfragen kaum Absagen erhalten haben. Über alle Sparten hinweg gibt es eine breite Zustimmung und die Bereitschaft, Kunstschaffende auf ihren unternehmerischen Wegen zu unterstützen.

Maßgebend, auch für die Zukunft, ist die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. CREATIVE.NRW und das Landesbüro für Bildende Kunst NRW sind Initiativen dieser Landesbehörden. Bedeutsam sind aber nicht zuletzt die Kooperationen mit den unterschiedlichen Kulturinitiativen und Unternehmen der (Kreativ-)Wirtschaft.

Der Thementag „Künstlerisch durch die Krise“ von CREATIVE.NRW im neuen Wacom Experience Center im Düsseldorfer Medienhafen ist sicherlich ein Highlight. Darüber hinaus freue ich mich sehr auf den „Riso Day“ an der HSD/Peter Behrens School of Arts. Dieser Workshop ist eine bisher einmalige Zusammenarbeit von Riso Deutschland (Hamburg), Drucken3000 (Berlin), Metapaper (Stuttgart) und dem Studio Tillack Knöll (Stuttgart) und gewährt einen umfassenden Einblick in die Risografie. Die Veranstaltung ist bereits vollständig ausgebucht. Dann freue ich mich aber auch besonders auf die „begleitenden“ Ausstellungseröffnungen. Unter anderem präsentieren hier junge Künstler:innen, meist noch Studierende der Düsseldorfer Kunstakademie, neue Arbeiten. Das Besondere daran: Sie alle unterhalten bereits eigene Projekträume, die die Möglichkeit für Ausstellungen bieten. Diese Räume sind vor allem durch Eigeninitiative der beteiligten Künstler:innen erschlossen worden, ohne eine Unterstützung durch die kommunale Verwaltung. Gleichwohl haben alle diese Newcomer:innen im Kunstmarkt keine Berührungsängste, was die Vermarktung ihrer Arbeiten betrifft.


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