Creative.Talk

Als Senior Label Relations Manager kümmert sich Marie-Luise Heimer bei Spotify in Deutschland, Österreich und der Schweiz um alle Beziehungen zu Labels, Plattenfirmen und Vertriebspartnern. Bevor sie im Mai 2012 zu Spotify kam, war sie bereits für verschiedene renommierte Unternehmen und Institutionen im Bereich der digitalen Musikvermarktung tätig. Unter anderem arbeitete sie als Manager Label Relations für Simfy, im Labelmanagement von Zebralution, sowie im Produktmanagement von Motor Music und wirkte als Freiberuflerin bei der Gestaltung der C’n’B in Köln mit. Mit uns spricht über die Digitalisierung der Musikwirtschaft, die Beziehung zwischen Werbetreibenden und Künstlern und das Streaming-Geschäftsmodell von Spotify.

Welche Auswirkungen, sowohl positiv als auch negativ, haben die Werbewirtschaft und andere Unternehmern auf Spotify, als einem der Vorreiter im Zusammendenken von Digitalisierung und Musikwirtschaft?

Sowohl die deutsche Werbewirtschaft als auch die Musikwirtschaft erholen sich. Spotify unterstützt diesen Trend, indem wir personalisierte Produkte entwickeln und Kooperationen eingehen(z.B. Android Wear, PlayStation, Spotify Connect, AppleCat, Android Auto, Shazam, Deutsche Telekom, etc.), die Musikschaffenden und Werbepartnern zusätzliche Marketing- und Distributionskanäle bieten. Da durch Musik Streaming der Musikkonsum erstmals in Deutschland messbar wird (Alter, Geschlecht, Standort, Tageszeit), wird deutlich, welche ungeheure Chance hier sowohl für die Musik- als auch die Werbewirtschaft besteht. 

Wie wirkt sich dieses Kräfteverhältnis die Beziehung zwischen Künstlern und der Marke Spotify aus?

Es ist wichtig zu verstehen, dass Spotify für viele Künstler nicht nur eine weitere Einnahmequelle ist, sondern eine Plattform, zu der unsere Nutzer jeden Tag zurückkommen, um Neues zu entdecken und mit Bands zu interagieren. Musiker können sich bei Spotify ein Profil einrichten – so ähnlich wie auf Facebook oder Twitter – und über Playlists mit ihren Fans kommunizieren. Milky Chance haben zum Beispiel eine Playlist mit Songs angelegt, die sie im Tourbus hören. Das ist für Fans natürlich interessant, weil sie die Band so nochmal auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen.
Auf der anderen Seite erfahren Künstler von Spotify sehr viel über ihre Fans. Wir stellen zum Beispiel anonymisierte demografische Daten zur Verfügung, durch die man erfährt, wer die Musik oder Playlists eigentlich regelmäßig hört. Darauf aufbauend kann man beispielsweise eine Tour planen und das Risiko ausschließen, in eine Stadt zu fahren, wo der Künstler noch keine starke Fangemeinde hat.

Wie bewegt man Marken, bzw. Werbetreibende dazu, selbst Akteur der Musikbranche zu werden? Welchen konkreten Trend kann man auf dem Geschäftsfeld erkennen?

Viele Marken haben bereits die Chancen erkannt, die Spotify Werbetreibenden bietet. Besonders Marken mit einer ausgeprägten Musikidentität sowie Unternehmen, die eine junge Zielgruppe erreichen wollen oder eine mobile Markenstrategie fahren, arbeiten mit Spotify zusammen. Spotify Nutzer sind mehrmals täglich aktiv und damit als Zielgruppe besonders attraktiv, um eine emotionale Verbindung zwischen einer Marke und positiven Musikerlebnissen zu schaffen.

Denken wir an jüngste Diskussionen rund um das Streaming, wie den erfolgreichen Eingriff der amerikanischen Künstlerin Taylor Swift in das Geschäftsmodel des neuen Musikdienstes von Apple: Wie müssen diese Geschäftsmodelle in Zukunft verhandelt werden, wollen sie auf Augenhöhe mit dem Künstler agieren?

Wir sind davon überzeugt, dass unser Freemium-Modell derzeit das beste Geschäftsmodell für Musik Streaming ist. Unser werbefinanziertes Angebot Spotify Free ist insbesondere für jüngere Zielgruppen, die noch nie eine MP3 oder CD in ihrem Leben gekauft haben, sehr spannend. Unser kostenfreier Zugang ist hier häufig der erste Schritt in den legalen Musikkonsum, denn über 80 Prozent unserer mehr als 20 Millionen Abonnenten waren zuvor Spotify Free Nutzer. Der Wechsel von Spotify Free zu Spotify Premium ist unser Geschäftsmodell. Mehr als 25 Prozent unserer aktiven Nutzer zahlen monatlich 9,99 Euro für Spotify Premium. Bei Spotify vergüten wir jeden Stream an die Musikindustrie und erhöhen somit die Einnahmen der Rechteinhaber – bislang über 3 Milliarden US Dollar seit Oktober 2008.

Marie-Luise Heimer trat als Speaker auf der C/O POP CONVENTION 2015 auf und sprach über das Thema "Traumjob Music Business".  Das Fachmagazin musikmarkt berichtet hier über die C/O POP 2015.