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Karla Schlaepfer | designchange

Karla Schlaepfer M.A. verfügt über eine breite wissenschaftliche Ausbildung: Universität Berkeley, zert. Coach für Systemisches und Change-Management (Uni Köln) und Design Thinking Coach (HPI Potsdam). Dies wird ergänzt durch ihre vielfältige Erfahrung als Beraterin, Dozentin und Referentin sowie Leiterin von Workshops in DAX-Unternehmen und Museen zu den Themen Kreativität, agile Methoden und Innovation. Karla Schlaepfer ist Expertin für die Entwicklung von Menschen, die Entfaltung kreativen Potenzials und die Motivation zu einer Arbeitskultur der Zukunft. Sie publizierte Fachbücher zu diesen Themen (Schäffer-Poeschel Verlag) und das Bookboon E-Buch "Design Thinking? Frag mich was!". 

Frau Schlaepfer, das Buzzword Design Thinking ist bereits in aller Munde. Jedoch wissen die meisten nicht genau, was sich dahinter verbirgt. Erklären Sie doch mal! 

Super gerne! Design Thinking ist im Kern eine Methode, Probleme im Team kreativ zu lösen. Obwohl wir eine Vielzahl von kreativen Übungen verwenden, ist diese Methode auch klar und systematisch angelegt: Es gibt zwei große Abschnitte, die in jeweils drei Phasen unterteilt sind, so dass eine sechsschrittige Methode entsteht. 

Die ersten drei Phasen, der sog. Problemraum, sind dem Verständnis der Design Challenge oder des zu lösenden Problems gewidmet. Die zweiten drei Phasen, der sog. Lösungsraum, dienen der schöpferischen Ideengenerierung, der Erstellung von Prototypen und dem Testen unserer Lösungen an potenziellen Benutzer*innen.

Design Thinking entwickelt und stärkt die Fähigkeit, Probleme kreativ zu lösen. Der Prozess konzentriert sich nicht nur auf die Entwicklung von Produkten, sondern er vermittelt den handelnden Menschen Fähigkeiten, die insgesamt zu mehr Innovation und agilem Denken innerhalb einer Organisation führen können. 

Manager, die ihre Teams ermutigen, Design Thinking zu erlernen, stärken damit insgesamt die innovativen Werte ihrer Unternehmenskultur. Sie machen Innovation zu etwas, das für alle zugänglich ist.

Was ist das Besondere am Design Thinking, und wann kommt die Methode zum Einsatz? 

Nur eine außergewöhnliche Sache? Es sind so viele! Lassen Sie mich drei hervorheben.

1. Eine großartige Besonderheit beim Design Thinking ist die inhärente Teamentwicklung. Unsere Teams arbeiten stark wertebasiert und menschenzentriert. Sie agieren interdisziplinär, empathisch, vernetzt und auf Augenhöhe. So tragen sie in besonderem Maße zu einer besseren Unternehmenskultur bei. 

2. Design Thinking wird oft zu Beginn eines Innovationsprozesses eingesetzt. Wenn noch nicht ganz klar ist, in welche Richtung das neue Produkt, die neue Dienstleistung oder das neue Geschäftsmodell laufen könnte, dann liefert Design Thinking klare Antworten und hilft dabei, eine deutliche kundenorientierte Richtung zu definieren. 

3. Eine dritte und in diesem Zusammenhang letzte Besonderheit von Design Thinking ist seine besondere Ausprägungsform des „Sprints“, mit dem man in konzentrierter Form innerhalb einer Woche tolle Ergebnisse erzielt. Der Sprint ist eine weniger explorative Option von Design Thinking, die in einem Team eingesetzt werden kann, um schnell Lösungen für ein relevantes Problem zu finden. In vier bis fünf Tagen und ohne ausufernde Feldforschung zu Beginn steht der Lösungsfortschritt stark im Mittelpunkt. Wir nutzen hierzu einige der gleichen Tools und Prinzipien wie im Design Thinking, aber es gibt unterschiedliche Gewichtungen.

Wo liegen für Sie die größten Herausforderungen in Bezug auf die bevorstehenden Transformationsprozesse im Kontext von Neuer Arbeit, die sich insbesondere durch die Digitalisierung ergeben. Und wo genau kann Design Thinking hier ansetzen?

„Changing Fear to Curiosity“: Die Digitalisierung fordert uns heraus, in allen Bereichen der Arbeit unsere grundlegende Haltung zu verändern hin zur Akzeptanz von disruptiver Veränderung, hin zu mehr Flexibilität im Umgang mit höherer Unplanbarkeit und hin zu größerer Handlungsfähigkeit im Umfeld steigender Unsicherheit. Design Thinking transportiert diese Haltungsänderung durch die Flexibilität seiner einzelnen Phasen und seinen iterativ angelegten Prozess.

Wenn wir ein Werkzeug, eine Methode oder eine Philosophie suchen, wie wir mit dem Paradigmenwechsel unserer Zeit umgehen, dann bietet Design Thinking uns dazu eine fantastische Grundlage, durch empathische Nutzerfokussierung, durch flache Teamhierarchien und durch eine am schnellen Lernen ausgerichtete neue Fehlerkultur. Fehler sind im Design Thinking ein Weg, schneller nach vorne zu kommen!  

Beim Design Thinking geht es insbesondere um ein bestimmtes Mindset. Sie haben lange Zeit in den USA und Deutschland gelebt. Welche kulturellen Unterschiede konnten Sie in den Unternehmenskulturen feststellen? Und wo sehen Sie noch Potenzial? 

Allzu oft erleben wir in Deutschland noch, dass das Scheitern einer Sache, also einer Geschäftsidee oder eines Unternehmens, gleichgesetzt wird mit dem Scheitern der Person, die gehandelt hat. Dies ist in den USA deutlich anders. 

Dort wird eine Person, deren Geschäftsidee gescheitert ist, als ein Mensch angesehen, der Erfahrung gesammelt und gewonnen hat. Hier können wir noch lernen, dass es gemäß des Design-Thinking-Leitsatzes „Fail early and often“ auch viele positive Effekte und „Learnings“ mit sich bringt, wenn ein Mut zum Risiko nicht als persönliches Scheitern verstanden wird. 

Am 26. März sind Sie Teilnehmerin der Paneldiskussion bei unserer CREATIVE.Spaces Roadshow im KUNST-WERK in Arnsberg. Hier geht es vor allem auch um die Thematik New Work bzw. Good Work.  Welchen Tipp können Sie schon jetzt kreativen Akteur*innen und Unternehmen mit auf den Weg geben? 

„Just do it. Start before you’re ready and before things are perfect.“ Ich würde so schnell wie möglich kleine Keimzellen im Unternehmen schaffen, wo man es ausprobieren kann. Man muss in Unternehmen geschützte Areale kreieren, nicht nur eine spezielle Abteilung, und in diesen Arealen gibt es eine Vereinbarung mit dem Management, dass dort einfallsreiche und tolle Ideen („Moonshots“) ausprobiert werden können, ohne dass es sanktioniert wird. Natürlich alles in vorher klar umrissenen Regeln.

Diese Räume strahlen aus, sie führen dazu, dass Menschen anfangen, ihre Besprechungs- und Büroräume umzubauen und Dinge viel visueller zu machen. Dann merken sie, dass dies besser ist, denn man kommt schneller zum Ergebnis, zur richtigen Richtung. Diese Art von Schneeballsystem geht einher mit physischen Veränderungen in den Räumlichkeiten des Unternehmens.

Design Thinking ist nicht die einzige Innovationsmethode. Aber: Firmen, die sich in New Work neu erfinden wollen, als lernende, selbstorganisierende Systeme, pflegen eine wertschätzende Kommunikation, Feedback auf Augenhöhe; Kreativität rückt mehr ins Zentrum. In all diesen Kulturtransformationen kann Design Thinking Menschen inspirieren und dabei helfen, Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen.

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Zum E-book "Design Thinking? Frag mich was!" 

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