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Ideen für Kooperationsformate: Handwerk + Design

Am 23. September kamen auf Einladung von CREATIVE.NRW, dem Institut Arbeit und Technik (IAT), der Folkwang Universität der Künste und Heimatdesign über 50 Teilnehmer*innen zum Thementag „Handwerk und Design in NRW“ nach Köln ins MAKK, um im Rahmen des ökoRAUSCH-Festivals für Nachhaltigkeit und Design an gemeinsamen Projektideen zu arbeiten und über Kooperationen zu diskutieren.

© Astrid Piethan

Zunächst gingen geladene Designer*innen, Handwerker*innen und Expert*innen aus dem Bereich Material in dem Workshop „Vom Material zum Produkt“ in den Austausch. Josephine Hage (Kreatives Sachsen) leitete die Teilnehmenden in vier Gruppen an, ausgehend von einem ausgewählten Material, den Prozess von der Kooperationsanbahnung bis hin zur Fertigung und Vermarktung eines konkreten Produktes durchzuspielen. Die Ergebnisse spiegelten die Vielfalt der Gruppen wider – von Terrassenmöbeln aus regionalen Weiden über nachhaltige Textilien aus Hanf bis hin zu einem Cradle-to-Cradle-Schuh on demand und Gartenobjekten aus Schiefer. Es wurde über Prozesshindernisse, Maßstäbe für Nachhaltigkeit und Kooperationsformate diskutiert. In einem Punkt waren sich jedoch alle einig: Es fehlt eine Plattform, die Akteur*innen aus dem Bereich Design, Handwerk und Material sichtbar macht und Möglichkeiten zur branchenübergreifenden Vernetzung schafft.

Die anschließende Diskussionsrunde „Wertschöpfung neu denken: nachhaltig, regional, digital“ wurde von der Museumsdirektorin des MAKK (Museum für angewandte Kunst Köln) Dr. Petra Hesse eröffnet. Sie beschrieb den Fokus des Museums als eine Abbildung des gestalteten Alltags an der Schnittstelle von Kunst und Design. Museen der Zukunft sollten nicht nur Wissensvermittlung bieten, sondern erlebbare Orte des Miteinanders sein. Daran anknüpfend begrüßte Janine Steeger (Journalistin) Garrelt Duin (Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Köln), Josephine Hage (Kreatives Sachsen), Frank Zumbruch (Honeycamp Mannheim), Christof Flötotto (Designer und Innovationsberater), Klemens Grund (Produktdesigner) und Ines Rainer (CREATIVE.NRW) als Podiumsgäste auf der Bühne.

Zu Beginn der Diskussion präsentierte Ines Rainer die Ergebnisse einer von CREATIVE.NRW, dem IAT, der Folkwang Universität und Heimatdesign durchgeführten Umfrage, mit der Kernaussage, dass sich Handwerker*innen und Designer*innen aus NRW mehr Kooperationen mit der jeweils anderen Branche wünschen. Garrelt Duin ergänzte, dass es bereits erste Ansätze in diese Richtung gebe, aber eine strukturierte Vernetzung bisher in der Tat fehle. Warum derartige Kooperationen sinnvoll sind und zu erfolgreichen Projekten und Geschäftsmodellen führen können, zeigte Josephine Hage auf. Sie berichtete von einigen Beispielen aus Sachsen, die u.a. im Rahmen von Innovationswerkstätten zwischen Handwerker*innen und Kreativen entstanden sind. So hat sich eine Kooperation zwischen einem DJ und einem regionalen Tischlereibetrieb ergeben, die jetzt gemeinsam DJ-Möbel für den internationalen Markt produzieren. Der Designer und Tischler Klemens Grund spricht aus eigener Erfahrung das Problem an, dass es sich in diesem Bereich, anders als in vielen anderen Industriebranchen, etabliert habe, dass die Akteur*innen für Kooperationen in Vorleistung treten und erst Geld bekommen, wenn das Produkt am Markt ist. Auch hierfür müsste man seiner Meinung nach an Lösungen arbeiten. 

Frank Zumbruch, der in Mannheim den Co-Crafting Space Honeycamp mit aufbaut, unterstrich zudem die Bedeutung von physischen Orten des gemeinsamen Arbeitens. Bisher gebe es lediglich Orte für Wissensarbeit, Begegnungsräume für Kreative mit integrierten Werkstätten fehlten jedoch. Auch Christof Flötotto, Initiator der Smart-Home-Plattform der imm cologne und langjähriger Vernetzungsexperte, ist der Meinung, dass es eine moderierte Innovationsplattform benötige, um Gleichgesinnte zu matchen und regionale Wertschöpfungsnetzwerke zugunsten von Wertschöpfungsketten zu bilden. „Wir brauchen einen Handwerk- und Design Hub, mit dem ein Nukleus für Innovationen geschaffen wird und in dem ein branchenübergreifender Austausch stattfinden kann“, so Duin. Um an diesen gemeinsamen Erkenntnissen und Visionen weiter zu arbeiten und diese zukünftig auch umzusetzen, planen die Beteiligten die Gründung eines Roundtables für Handwerk und Design in NRW. 

Die Ergebnisse und Produktideen, die im Workshop „Vom Material zum fertigen Produkt“ entstanden sind, werden im Rahmen der materials.cologne am 23. Oktober weiterverfolgt. 

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