Creative.Talk

CREATIVE.NRW-Clustermanager Christian Boros erzählt, warum die gezielte Förderung der Kreativwirtschaft aus institutioneller Sicht einen sehr langen Atem braucht, was sich in sechs Jahren Clustermanagement getan hat und wo die Branche in Zukunft stehen wird.

Sechs Jahre Clusterarbeit für die Kreativwirtschaft in NRW. Was sind die Meilensteine der letzten Jahre?

In den letzten sechs Jahren haben wir die Kreativwirtschaft im Land durch zahlreiche Veranstaltungsformate und Konferenzen, Coachings, die Herausgabe von Publikationen und Studien, unzählige Gespräche mit Multiplikatoren aus anderen Wirtschaftszweigen und der Politik sowie durch Unternehmerreisen begleitet. Mit diesen und anderen Maßnahmen hat CREATIVE.NRW im Auftrag des Wirtschaftsministeriums den Kreativen eine öffentlichkeitswirksame Bühne gegeben – und damit Raum für Ideen und wirtschaftlichen Erfolg.

Ich bin stolz, dass es uns gelungen ist, gemeinsam mit der Politik dicke Bretter zu bohren. Allen voran ist da ein neues Verständnis kreativwirtschaftlich geleiteter Innovation im Land. Kreative sind nicht bloß Dienstleister am Ende der Wertschöpfungskette. Sie sind maßgeblich daran beteiligt, Perspektiven auf gewohnte Arbeitsabläufe und Wertschöpfungsprozesse zu verschieben, jenseits gewohnter Mechanismen. Es handelt sich um unentbehrliche Kompetenzen in Zeiten, in denen sich die Wirtschaft Krisen ausgesetzt sieht, global zusammenwächst und Produktzyklen immer kürzer werden. Dieses Bewusstsein zu schaffen dauert, aber es ist uns mit den vielen herausragenden Kreativen im Land gelungen.

Wie sollte es im Sinne der Clusterarbeit von CREATIVE.NRW in Zukunft weitergehen?

Wir stellen fest: Kreative fühlen sich in NRW zu Hause, dies belegt erneut unsere aktuelle Imageanalyse. Doch nicht nur die Zahlen sprechen für sich. In den vielen Gesprächen mit Netzwerkpartnern, die wir seit sechs Jahren kennen, wurde deutlich, dass Kreativwirtschaft „made in NRW“ Zukunft hat. Ich finde es bemerkenswert, dass das Land und das Wirtschaftsministerium, besonders unter der Federführung von Minister Garrelt Duin, den Stellenwert der Branche erkannt und Kreativwirtschaft als eines der Top-Themen etabliert haben. Der Weg ist geebnet. Jetzt muss man die PS auf die Straße bringen. Soll heißen: weiter an einer Heimat für Kreative arbeiten, in der sie sich verwurzelt fühlen, wirtschaftlich wie kulturell. 

Ein Thema, das wir hierbei als wichtig erachten, ist etwa die weitere Anpassung von Finanzierungsmodellen bei Gründung und Aufbau von Geschäftsmodellen. Es muss zudem an der Qualifizierung – gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium – gearbeitet werden. Denn Absolventen brauchen bessere unternehmerische Qualifikation. Neben vielen anderen Bedürfnissen müssen Stellschrauben in der Vernetzung einzelner kommunaler und lokaler Akteure weiter gedreht werden. Es reicht nicht allein das Wissen übereinander. Diese Experten und Netzwerke müssen auf Landesebene weiter zusammengebracht werden, nur dann profitiert NRW von seiner Größe und gesamtwirtschaftlichen Stärke – und das innerhalb der Kreativwirtschaft wie auch im Zusammenspiel mit anderen Branchen. 

Was wünschen Sie den Kreativen in Nordrhein-Westfalen?

Es konnte sich eine druidenhafte Mixtur herauskristallisieren. Eine besondere Rezeptur, die durch die Nähe zu Industrie und Mittelstand immer noch ein Alleinstellungsmerkmal im bundesdeutschen Vergleich darstellt. Mein Team und ich wünschen uns, dass die Kreativen als auch Mit- und Gegenspieler in Industrie und Mittelstand noch mehr erkennen, dass Kreativität eine essentielle Zutat in der Lösung zukunftsrelevanter Fragen darstellt. Daher wünschen wir den Kreativen Mut, neue Banden aufzubauen, um mit einem langen Atem weiterhin erfolg- und ideenreich zu wirtschaften. 

Die K.West betrachtet in einem Artikel von Stefan Laurin die aktuelle Lage und die Thematik der Clusterförderung von CREATIVE.NRW. Mehr lesen Sie hier.