Die Zukunft der Gesundheit: digital, interaktiv, kreativ – Rückblick zur Interactive Cologne 2015

Vom Medical Futurist bis zum Interaction Designer: der Veranstaltungstrack "The Future of Health" versammelte am 10. Juni 2015 das Who is Who der kreativen Experten im Bereich Gesundheitswirtschaft – unter der Moderation von Nadia Zaboura, CREATIVE.NRW. Das Hauptevent "Interactive Cologne 2015", das am 10. und 11. Juni 2015 gemeinsam mit dem Medienforum NRW in der IHK Köln stattfand, verzeichnete über 4.000 Besucher.

Auch wenn es nach ferner Zukunft, nach Science Fiction klingt: Lange müssen Patienten nicht mehr warten auf künstliche Organe, die im 3D-Drucker gefertigt werden, auf Telemedizinroboter, die ferngesteuert Operationen durchführen und deren Roboterarme sogar den Händedruck des Arztes übermitteln können.

In seiner Keynote "The Future of Medicine" zeigte Keynote-Speaker Bertalan Meskó eindrucksvoll die Bandbreite der teils schon existierenden und der kommenden Möglichkeiten gesundheitlicher Versorgung auf. Mit über 16 technischen Gadgets ausgestattet, verdeutlichte der renommierte Autor und TEDx-Referent, wie stark sich das Arzt-Patienten-Verhältnis durch Internet, neue Technologien und Bewegungen wie "Quantified Self" verändert habe: Der Patient wird zum Kunden, zum König, um den sich sämtliche Services ranken, gleichzeitig trumpfen Vorsorge und Prävention die bis heute übliche Krankheitsbehandlung.

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Sprechende Handschuhe und Empowerment durch Kreativität

In der anschließenden Diskussionsrunde erhielten die Zuschauer dank spezieller Best- Practice-Beispiele konkrete und handfeste Einblicke kreativer Lösungen – von Handschuhen als Kommunikationshilfe für taubblinde Menschen über ein crossmediales Lifestyle-Magazin für Gehörlose bis zur Depressionshilfe-App. Unter der Moderation von Nadia Zaboura, CREATIVE.NRW, diskutierten Bertalan Meskó (Medical Futurist und Autor), Tom Bieling (Design Research Lab der UDK Berlin), Andreas Ruhe und Alexandros Michalakopoulos (Morphoria Design Collective, "Deaf Magazine"), Shari Langemak (Medscape Deutschland / MXLHealth) und Kristina Wilms (AYRA App) fast zwei Stunden lang über die Zukunft der Gesundheitswirtschaft – und wie Design und Kreativität diesen Markt von Grund auf verändern.

Ein Beispiel ist der "Mobile Lorm Glove", ein Paradebeispiel für soziale Innovation: Das digitale Kommunikationsgerät in Form eines Handschuhs wurde gemeinsam mit taubblinden Menschen entwickelt und ermöglicht es diesen erstmals, mit Menschen zu kommunizieren, die nicht physisch anwesend sind. Ein weiteres Beispiel für echte Inklusion und Barrierefreiheit ist das DEAF MAGAZINE des Morphoria Design Collective aus Düsseldorf. Mit interaktiven Inhalten und Augmented Reality schlägt die Publikation eine Brücke zwischen Gebärdensprachlern und Lautsprachlern, vermittelt zwischen ihnen und schafft damit Verständnis und Interesse für beide Seiten.

Apps als Medizin und neue Geschäftsmodelle

In Zeiten zunehmender psychischer Erkrankungen werden Krankenkassen und Wirtschaft, aber auch das soziale Gefüge einer Gesellschaft immer stärker belastet. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, aber eine App entwickelt worden. Gründerin und Ideengeberin Kristina Wilms veranschaulichte anhand ihrer AYRA App, wie ein therapeutisches Hilfsmittel neu gedacht werden kann: Durch den jederzeit möglichen Zugriff auf die mobile App kann schnell Hilfe geleistet werden, Stigmatisierungen können abgebaut werden. Dabei betonte Wilms, wie wichtig die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen für zeitgemäße Gesundheitsservices sei: Patienten, Therapeuten, Wissenschaftler und Designer müssen gemeinsam Lösungen erarbeiten, so Wilms.

Eine Herausforderung ist dabei die Zertifizierung einer solchen App, denn Medizinprodukte durchlaufen aufwändige Verfahren, bevor sie als "Medikament" verschrieben werden dürfen. Shari Langemak von Medscape Deutschland machte deutlich, dass sich Prävention durch wissenschaftlich fundierte, digitale Lösungen lohnt. Viele neue Services mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen strömten aktuell auf den Markt, und man könne durchaus von einem Hype sprechen, der sich auch im großen Interesse von Investoren widerspiegele. Wichtig sei, auf Ad-hoc-Lösungen zu verzichten und sich ausreichend Zeit und Daten zu nehmen, um ein solides digitales Geschäftsmodell zu kreieren und am Markt zu etablieren.

CREATIVE.NRW dankt den Referenten und dem Kooperationspartner "Interactive Cologne 2015" für die Zusammenarbeit!

Weitere Information zum Format "The Future of Health" und zur Interactive Cologne 2015, die in diesem Jahr am 10. und 11. Juni 2015 gemeinsam mit dem Medienforum NRW über 4.000 Besucher in über 40 Vorträgen, Panels, Talks und interaktiven Formaten mit mehr als 150 Speakern verzeichnete.

Hier geht es zum Rückblick des Kongresses "CREATIVE.HEALTH 2", hier zum Video mit Experten aus Gesundheits- und Kreativwirtschaft.