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Die Kultur- und Kreativwirtschaft steckt als Wirtschaftsbranche nicht mehr in den Kinderschuhen. Vieles hat sich entwickelt, vieles ist noch zu tun.

(c) Magnus Reed 

Christian Boros ist Senior-Berater von CREATIVE.NRW. Seine Agentur stellt das Team des neu etablierten Kompetenzzentrum Kreativwirtschaft. 

Die sogenannte Kultur- und Kreativwirtschaft hat in den vergangenen Jahren eine hohe Aufmerksamkeit erfahren, nun scheint es etwas ruhiger um die neue Branche geworden zu sein. Welche Entwicklungen hat die Kultur- und Kreativwirtschaft genommen?

„Kultur- und Kreativwirtschaft“ war ein Wording, bei dem anscheinend diametral zueinander stehende Begrifflichkeiten zusammengeführt wurden. Das gab natürlich einen Ruck in der journalistischen und öffentlichen Aufmerksamkeit. Aber ich muss Ihnen dahingehend widersprechen, dass es um das Thema ruhiger geworden sei. Es hat sich lediglich eine Art Abarbeitungsmodus eingestellt. Dieses Ankommen im Alltag, die Professionalisierung und das normale Agieren als Branche hat sicher nicht die gleiche Strahlkraft wie die begriffliche Novität „Kultur- und Kreativwirtschaft“. Aber an Zugkraft hat das Thema nicht verloren. Die Branche hat schlicht die Sphäre der Diskussionen verlassen und ist in ein Praktizieren übergegangen. Eine völlig normale und auch wünschenswerte Entwicklung. 

Die Kultur- und Kreativwirtschaft formuliert die bekannten 11 „Teilmärkte“. Lassen sich die speziellen Bedürfnisse dieser doch sehr unterschiedlichen Teilmärkte so einfach unter einem Dach vereinen? Wie wird man dann diesen Bedürfnissen im Einzelnen gerecht?

Es gibt in den Teilmärkten der Kreativwirtschaft divergente und konvergente Bedürfnisse. Alle verbindet ein großes Bedürfnis an Relevanzsteigerung – also eine Steigerung der Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Auch die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten betrifft alle Teilmärkte gleichermaßen. Und es gibt noch zahlreiche andere Themen. Dann gibt es natürlich branchentypische Bedarfe. Aber wenn wir uns als CREATIVE.NRW in diesen ganz spezifischen Bedürfnissen verzetteln würden, wäre am Ende niemandem geholfen. Denn dafür gibt es nicht genügend Ressourcen. Daher konzentrieren wir uns auf die Lösung der gemeinsamen Probleme.

Was kann denn getan werden, um die von Ihnen beschriebene Relevanzsteigerung zu befördern?

Es muss in den klassischen, konventionellen Unternehmen ankommen, dass das kreative Schaffen für die Wirtschaft und für Deutschland tatsächlich existenziell ist. Die Kreativbranchen sind oftmals diejenigen, die Innovationen hervorbringen. Dort finden Sie den Erfindergeist und auch die Einsatzbereitschaft, die Idee hin zur Innovation zu entwickeln. Und das muss von der Industrie und anderen Öffentlichkeiten wertgeschätzt werden – ideell wie monetär.

Muss also auch die Politik mehr die Kommunikation dahingehend unterstützen?

Das tut sie bereits auf verschiedenen Wegen: Mit dem Kompetenzzentrum CREATIVE.NRW hat uns das Land Nordrhein-Westfalen unter anderem damit beauftragt, diese Kommunikation aufzubauen. Wir versuchen die 11 Teilmärkte auf die Bühne zu bringen, sodass sie von der Öffentlichkeit, den Medien, von der Wirtschaft usw. in ihrer Leistung wahrgenommen werden. Ich bin überzeugt, dass dieser Weg dazu führen wird, dass auch die großen deutschen Konzerne sehen, wie tiefgreifend die Kreativwirtschaft ihnen weiterhelfen wird.

Welcher Förderbedarf besteht in der Kultur- und Kreativwirtschaft mit Blick auf die Existenzgründungen?

Der Förderbedarf ist wesentlich kleinteiliger. Das ist kein Klischee: Viele GründerInnen benötigen tatsächlich nur einen Laptop, einen Internetzugang und einen Raum zum Arbeiten, wenn überhaupt. Bei den Kreditgebern gab es hier bereits ein Umdenken und die Fördermaßnahmen wurden wesentlich differenzierter ausgestaltet. Auch Banken haben neue Möglichkeiten für Kleinkredite geschaffen. Das waren sehr wirkungsvolle Maßnahmen. Aber nicht nur bei der Erstfinanzierung muss umgedacht werden. Es muss ein Umdenken bei den Kreativen und bei den Kunden dahingehend stattfinden, dass kreative Arbeit angemessen bezahlt werden muss. 

 

Christian Boros im Interview mit dem Kultur Management Network Magazin. Das vollständige Interview erscheint in der Mai-Ausgabe, kostenfrei verfügbar unter: www.kulturmanagement.net (ab dem 11. Mai 2016).