Creative.Talk

Dr. Martina Richter, Leiterin des Film Festival Cologne (www.filmfestival.cologne) organisierte mit ihrer Firma HMR Produktion dieses Jahr erneut gemeinsam mit der NRW.International die Unternehmerreise zum South by Southwest Festival (SXSW) in Austin, Texas, einem der renomiertesten Festivals der Welt und wichtiger Termin für die Kultur- und Kreativwirtschaft.

1. Wie schätzen Sie kommende Entwicklungstrends für die Branche ein?
 

Wir fahren jetzt bereits zum vierten Mal mit einer sehr hochkarätigen Interactive-Delegation nach Austin. Das Teilnahmeinteresse in NRW ist rasant gestiegen, da sich das SXSW-Festival zu einem Mekka der Digital- und Kreativwirtschaft entwickelt hat. Alle relevanten Player treffen sich dort um neue Strategien im zunehmend komplexen Markt der Interactive-Branche zu entwickeln und zu diskutieren. Das Programm des SXSW liest sich wie ein Who-is-Who der Musik-, Film- und Interactive-Industrie. Besonders beeindruckend ist der sehr offene, liberale und praxisnahe Umgang mit Problemstellungen und Herausforderungen unserer globalisierten Gesellschaft. SXSW lebt von einem einzigartigen „Spirit“ sowie der Betrachtung verschiedener Disziplinen und deren Schnittstellen. Die Erwartungshaltungen der Delegationsteilnehmer sind völlig unterschiedlich, daher ist diese Reise auch so bereichernd für die Teilnehmer. Start-Ups präsentieren ihre Geschäftsideen und suchen nach Investoren und Gleichgesinnten. Klassische Medienunternehmen und Markenhersteller lassen sich von innovativen Ideen, digitalen Vertriebslösungen und einem intelligenten und jungen Geschäftssinn inspirieren. 


2. Was erwarten Sie sich von dem Festival?

Die hochbrisanten Themen sind eigentlich nicht neu. Es fällt aber auf, dass durch den rasanten technologischen Fortschritt erstaunliche Entwicklungen möglich sind. Roboter, Drohnen, Virtual oder Augmented Reality werden schon seit langem diskutiert, halten jetzt aber plötzlich in großem Maßstab Einzug in den gesellschaftlichen Alltag. Was eine solche Veranstaltung wie das SXSW-Festival extrem relevant macht, ist die zunehmende Anwendbarkeit auf globaler Ebene von zuvor vermeintlich exklusiven  Prototypen und fragmentierten Geschäftsmodellen. Das Wissen und die Technologie bekommen auch abseits der Forschungs- und Entwicklungs-Ebene eine Bedeutung. Ein großes Thema ist auch der Umgang mit den Daten, nicht nur im Hinblick auf Datenschutz, auch die Menge der anfallenden Daten und die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Die Themen rund um „Big Data“ beschäftigen Entwickler gleichermaßen wie Vermarkter – Daten sind die Rohstoffe der Zukunft.


3. Wie schätzen Sie die Wahrnehmung der Kultur- und Kreativwirtschaft NRWs im Ausland ein?

NRW hat sich in seiner Rolle als wichtiger Standort für traditionelle Medien seit Anfang der 90er-Jahre hin zur einer boomenden deutschen Kreativ- und Digitalwirtschaftsregion entwickelt. Die Transformation ist weitestgehend gelungen und es sind extrem interessante Unternehmen in NRW ansässig, die auch auf internationaler Ebene agieren. Deshalb präsentieren wir uns mit über 50 Delegierten  in Austin beim SXSW-Festival als „Germany’s Digital Powerhouse“. NRW besticht durch die Vielfalt in der Branche – von großen Playern wie Bertelsmann, der METRO GROUP oder der DuMont Mediengruppe bis hin zu aufstrebenden Start-Ups und kleinen kreativen Produktionshäusern ist in dem auch geografisch sehr diversen Bundesland alles vertreten. Es ist eine Herausforderung die föderale Struktur Deutschlands und die Besonderheiten der Bundesländer im Ausland verständlich zu machen, daher haben wir mit dem German Haus auch einen guten Weg gefunden, in Austin mit unseren Länder-Partnern einen gemeinsamen Auftritt zu gestalten. Jedes teilnehmende Bundesland präsentiert sich dann individuell mit seiner Delegation, den dazugehörigen Unternehmen und den länderspezifischen Kernkompetenzen. So schaffen wir es, die Wahrnehmung des Standortes gezielt zu stärken.


4. Wo sehen Sie Verbesserungs- und Aufstiegschancen für kultur- und kreativwirtschaftliche Unternehmen aus NRW?

Die traditionellen Unternehmen der Branche müssen sicherlich aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren. Daher bin ich sehr froh über das große Interesse und die Bereitschaft der Unternehmer und Unternehmerinnen für diese inspirierende Reise. Die Herausforderungen des Marktes sind allerdings keine regionalen Phänomene – hier geht es vielmehr darum Dinge global zu betrachten. In den USA agiert die digitale Wirtschaft sehr visionär, daher ist Austin exakt das richtige Ziel für uns. Wir reisen mit einer guten Auswahl an Unternehmen aus der aufstrebenden Start-Up-Szene, die sehr interessante Potenziale für NRW bietet. Wir haben hier eine gute Förderstruktur und zielorientierte Kreativwettbewerbe, die zunehmend auch Ergebnisse sichtbar machen. Auch wenn die Kultur- und Kreativwirtschaft immer schnelllebiger wird und der Markt umkämpft ist, werden sich gute Ideen und Leidenschaft langfristig auszahlen. Eine solche Reise, wie die nach Austin, kann sich sehr positiv auswirken. Sie dient nicht nur der Öffnung in ein internationales Umfeld, auch untereinander werden sich Wertvolle Kontakte ergeben – das hat die Erfahrung der letzten Jahre schon deutlich gezeigt. 

 

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