CREATIVE.Talk

Fabian Seibert ist der Designer hinter dem Label SÜLZKOTLETT und eine Hälfte von GRAF SEIBERT, einem konzeptionellen Furniture-Art-Projekt mit psychologischen Störungen. Er unterrichtet an Hochschulen und entwickelt Produktstrategien, Guerilla-Marketing und Social-Design-Konzepte für Unternehmen und Städte wie Aachen und Moskau. Seibert ist einer der Mitgründer der Designmetropole Aachen, welche 2017 als CREATIVE.Space ausgezeichnet wurde und CHE-Agent des deutsch-belgisch-niederländischen Meta-Netzwerks Creative Hub Euregio.

Wie ist die Idee zur Hello Designer Tour entstanden?

Wir haben uns die Frage gestellt: Wie können wir es schaffen, Kreative in unserer deutsch-belgisch-niederländischen Region miteinander in Kontakt zu bringen und dabei die Hürden möglichst niedrig zu halten? Gestaltung und Formgebung sind dabei die ideale Sprache. Und schlechtes Englisch – das können wir alle. Und spannende Workshops und Einsichten in unsere Designerwelten geben, in unseren eigenen Studios und Werkstätten sogar mit sehr geringem Aufwand. Auf diese Art können wir alle auch noch die unterschiedlichsten spannenden Orte entdecken, an denen unsere Designerkollegen arbeiten. Wenn man dabei auch noch einen zeitlichen Freiraum zum besseren oder spontaneren Planen mit hineindenkt, und wenn man das alles kombiniert, ist die Grundidee für die Hello Designer Tour schon fast fertig: ein Designmonat. Wir Kreativen bieten spannende Workshops an, für Kollegen und Nicht-Designer. In unseren eigenen Umgebungen. Hauptsache im Oktober. Wir kombinieren unsere riesigen sozialen Netzwerke. Und treten zusammen eine Welle los. Und überzeugen noch Unternehmen, Design-Institutionen und den Handel, in dem Monat mit Designern zusammenzuarbeiten, zum gegenseitigen und öffentlichkeitswirksamen Nutzen.

Was ist das Ziel? Und was habt ihr bereits erreicht?

1: Vernetzung. 2: Vernetzung. 3: Vernetzung. Wir bekommen die Effekte der laufenden Events nicht immer mit, aber es scheint zu funktionieren. Und mehr Designer organisieren immer mehr Food-Design-Dinner, Netzwerkdinner, Tech-Start-ups-unterwerfen-sich-Konzeptkritik-durch-Designstudenten-Tage, Ladegerätboxdesignworkshops, Pop-up-Shops, Wohnzimmertalks über die Verantwortung der Kreativen unserer Gesellschaft gegenüber, Nachbarschaftsverbesserungs-Social-Design-Workshops für Innenstadtviertel etc. 2016 waren auf unserer Plattform www.hellodesignertour.eu schon über 35 Events, 2017 über 65, und 2018 läuft noch, wird aber nochmal wesentlich größer.

Wie nehmen die Besucher die Angebote an? Gibt es Schwellenängste, oder überwiegt die Neugierde?

Neugierde überwiegt eindeutig, und unsere große Aufgabe ist das breite Bekanntwerden unseres Designmonats. Die Besucher merken sehr schnell, dass sie es bei Designern mit Menschen zu tun haben, die mitten im Zeitgeist sind und diesen sehr kommunikativ über ihre Objekte reflektieren, man mit ihnen sehr einfach in spannende Themen einsteigen kann.

Kommen die teilnehmenden Designer mittlerweile eigenständig auf euch zu, um bei der Hello Designer Tour mit dabei zu sein, oder benötigt es viel Überzeugungsarbeit und Motivation zum Mitmachen?

Das Lebenselixier der Kreativen ist ihre Sichtbarkeit. Die Überzeugungsarbeit ist bis jetzt immer leicht gewesen, da sie mit der Hello Designer Tour ein Tool an der Hand haben, mit dem sie selbst und gegenseitig ihre Sichtbarkeit mit geringem materiellem Aufwand verstärken können.

Ist aus der Tour über die Jahre ein Netzwerk entstanden, das sich auch unterjährig zu Veranstaltungen trifft? Und wenn ja, welche Ziele verfolgt dieses Netzwerk bzw. welchen Aufgaben widmet es sich?

Die Vernetzung ist eher informell und unter dem Radar, aber wir merken immer wieder, dass plötzlich der eine Kreative mit dem anderen in Kontakt ist, der bis jetzt nicht zum Dunstkreis des einen gehört hat, Austausch stattfindet, Projekte geplant werden, man sich Tipps gibt. Und die Unternehmen, Start-ups, Händler und Institutionen zeigen Neugierde und vernetzen sich locker mit. Zukünftiges Zusammenarbeiten basiert auf gegenseitigem Vertrauen, das sich aufbauen muss, da die Lösungen emotionaler Natur sind und noch in der Zukunft liegen.

Neben der Tour gibt es mittlerweile auch einen Blog und seit diesem Jahr auch einen Hello Designer Tour Award. Worauf darf man sich noch freuen? Wie sieht eure Zukunftsvision für die Hello Designer Tour aus?

Der Blog ist schon mal ein großer Wurf, da wir so die Menschen hinter den Events und hinter dem Design, das hier jeden Tag passiert, zeigen können. Die Interviews lesen sich völlig unterschiedlich, sind aber alle auf ihre eigene Art spannend, inspirierend und kurzweilig. Die Zukunftsvision der Hello Designer Tour ist ganz klar, unseren Partnernetzwerkorganisationen in den beiden anderen Ländern eine bessere finanzielle und personelle Basis zu schaffen, damit wir dann alle gemeinsam und aus sieben oder mehr Städten heraus die Hello Designer Tour noch stärker und sichtbarer machen können. Und das Ganze möglichst noch internationaler mit weltweiten Messeauftritten und auf einschlägigen Internetplattformen, um die wirtschaftliche Basis der Kreativen zu stärken. Das ist ja der eigentliche Sinn der Sache.

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