CREATIVE.Talk

Marc Radermacher ist Gründer, Mit-Inhaber und geschäftsführender Mit-Gesellschafter der de_zwei_drei GmbH und der Encoding Management Service – EMS GmbH. Sein ganz persönliches großes Interesse am Thema Musik führte schon früh zu einer inhaltlichen Fokussierung auf die Weiterentwicklung von Angeboten für die Musik- und Entertainmentbranche im Internet. Als Konzeptioner und Projektleiter betreute Marc Radermacher u.a. die Webauftritte der damals noch in Köln ansässigen Popkomm. und des Medienforums NRW. Im Jahr 2000 gründeten Marc Radermacher, Irmin Wiechmann und Levin Wiechmann das Unternehmen de_zwei_drei, in 2010 dann die Encoding Management Service – EMS GmbH. Zusammen mit seinem Team entwickelt, realisiert und betreut Marc Radermacher als digitaler Dienstleister für die Medien- und Kreativwirtschaft nachhaltige Erstprojekte und stellt sich den immer neuen Herausforderungen. So gehört auch das SXSW Festival mit seinem Interactive- und Musikteil seit zehn Jahren zum Pflichtprogramm des Musikfans mit Hang zu innovativen Lösungen.

Foto: Fürst-Fastre

Sie sind zum zehnten Mal Teil der NRW-Delegation bei der SXSW! Lohnt es sich nach wie vor? 

Definitiv. Zum einen setzt die SXSW Interactive jedes Jahr neue Impulse und schafft somit die Grundlage zur Bewertung der aktuellen Trends. Das nutzen wir unter anderem zur Reflexion unserer Projekte und Ideen außerhalb der täglichen Routine.

Zum anderen bietet die SXSW Music reichlich Raum für den Austausch mit anderen Marktteilnehmern auf allen Ebenen. Das komplette Eintauchen über mehrere Tage in diesen Themenkomplex macht immer wieder bewusst, dass Musik so viel mehr ist als „nur“ ein Produkt. Diese Energie nehmen wir mit nach Hause.

Was war Ihr diesjähriges Highlight?

Amy Webb. Die Futuristin und Gründerin des Future Today Institutes hat in 60 Minuten kritisch die Highlights des 248 Seiten starken Tech Trend Reports 2018 präsentiert. Ihre Beispiele der Zukunftsszenarien waren wahnsinnig „konkret“ und energetisch und unterstrichen noch einmal die These, dass die Zukunft „jetzt“ ist und nicht erst in zehn Jahren.

Wie wichtig sind internationale Impulse für Ihre Arbeit, und welche Rolle spielt Internationalisierung?

Unsere Kunden erwarten von uns ein Denken „outside the box“. Wenn wir uns ausschließlich innerhalb unserer geografischen „Bubble“ bewegen, können wir das nicht leisten. Hierfür sind internationale Impulse unheimlich wichtig. Die Internationalisierung unseres Geschäfts spielt da eher eine untergeordnete Rolle.

Ihre Partner und Kunden sind hauptsächlich in der Musikbranche angesiedelt, welche sich als eine der ersten der Digitalisierung und den damit verbundenen Herausforderungen stellen musste. Was konnten oder können andere Branchen daraus lernen?

Sich gegen die Digitalisierung zu wehren oder sie einfach zu ignorieren, hat keinen Sinn. Das gilt für alle Branchen. Im Gegenteil. Es ist wichtig, möglichst früh Anknüpfungspunkte für das eigene Business zu finden. Alle Lösungen und Services sind nur gut, solange sie in den aktuellen Kontext, z.B. die Marktsituation, passen. Die schnellen Veränderungen auf allen Ebenen erfordern permanente Wachsamkeit und die Bereitschaft, immer wieder Neues auszuprobieren.

Laut Ihrer Website gibt es im Hinblick auf neue Lösungen in der digitalen Welt keine Vorstellung, die zu ausgefallen wäre. Was war der „verrückteste“ Prototyp, der es dennoch auf den Markt geschafft hat? 

Das „Verrückte" an Prototypen besteht ja genau darin, dass der Kontext, in dem sie angewendet werden, nicht voraussehbar ist. Ansonsten wären sie ja „nur“ realisierte Projekte.

Es ist immer wieder überraschend, was aus den grundlegenden Ideen und Erkenntnissen entsteht. So wird aus einem auf die Prozesse bei Vinyl-Veröffentlichungen optimierten Download-Code-System völlig unerwartet ein System zur eng kontrollierten Ausspielung von Daten-Updates (Phononet eMediaCatalog). Oder Teile eines anderen Prototyps zur Synchronisierung von Hörbüchern und E-Books werden plötzlich zum Katalysator für neue Ansätze bei der Optimierung von Hörbüchern im Streaming-Kontext.

Gewähren Sie uns doch einen kurzen Blick hinter die Kulissen: An welchem spannenden Tool arbeiten Sie gerade? What‘s next?

Es gibt einen ganzen Strauß von interessanten Technologien bzw. möglichen Anwendungen, die wir beleuchten. Wir haben viele Fragen. Auf einige können wir möglicherweise Antworten finden – etwa, ob wir mit Blockchain-basierten Kommunikationsmitteln den Datenaustausch zwischen Künstler, Musiklabel, -vertrieb und Streamingplattform nachvollziehbarer, effektiver gestalten können. Oder ob ein „lernendes“ System helfen kann, defekte Audiodateien zu erkennen.

Besonders in diesen Bereichen (Blockchain, maschinelles Lernen) beginnt sich der Hype-Nebel zu lichten. Das macht einen objektiven Blick auf die Vorteile – aber auch Nachteile – möglich.

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