CREATIVE.Talk

Eva Gronbach ist Modedesignerin und Mitglied des CREATIVE.Board. Sie studierte in Brüssel und Paris, ist international als Modedesignerin für u.a. Hermes, Galliano und Yamamoto tätig und bearbeitet Aufträge der Bundesregierung sowie diverser Industrieunternehmen und Verbände. Zudem unterrichtet die gebürtige Rheinländerin seit vielen Jahren als Dozentin und Ausbildungsleiterin an Schulen und Hochschulen. Ihre eigene Kollektion ‚Déclaration d’amour à l’Allemagne’ erreichte weltweite Anerkennung. Eva Gronbach ist Mitbegründerin des Verbands German Fashion Designers Federation, der als Veranstaltungspartner gemeinsam mit CREATIVE.NRW und den Düsseldorfer Galerien das neue Mode-Event THE NRW DESIGN ISSUE gestaltet. Die Premiere findet am 26. und 27. Januar 2018 im Rahmen von Platform Fashion auf dem Areal Böhler in Düsseldorf statt und setzt einen Fokus auf Modedesign aus NRW. Im CREATIVE.Talk berichtet sie über die Ziele des neuen Formats und die Modeszene in NRW.

Sie haben Ihre Karriere im Rheinland begonnen, haben im Ausland studiert und sind jetzt von Berlin aus tätig. Wie schätzen Sie NRW und Düsseldorf als Modestandort ein? 

Ich bin mit dem Rheinland eng verbunden: geboren in Köln, aufgewachsen im Vorgebirge zwischen Bonn und Köln, Abitur in Bonn, Schneiderlehre in Düsseldorf… Nach dem Studium in Brüssel, Paris und London habe ich 14 Jahre mein Unternehmen von Köln aus entwickelt. Dabei hat mich das Ruhrgebiet mit dem Strukturwandel weg von der Steinkohle stark inspiriert. 

Düsseldorf als Modestandort hat hohes Potenzial. Es gibt in NRW eine große Anzahl an Modedesignern, die international sehr erfolgreich sind und dabei kaum Bekanntheit und wirtschaftlichen Support aus der Region erfahren. Wenn wir es schaffen, den Kreativen der Branche maximalen Respekt entgegenzubringen, wäre das ein zusätzlicher Gewinn für den gesamten Standort.

Die Veranstaltung möchte mit den drei Elementen TNRWDI INTERACTION, TNRWDI TEMPORARY und TNRWDI CATWALK neue Impulse für den Mode- und Kunstmarkt setzen. Mit dem Format TEMPORARY werden die beiden Branchen erstmals verknüpft. Wo sehen Sie die besonderen Schnittstellen und Potenziale? 

Da es sich bei diesen Initiativen um neue Initiativen handelt, ist es zu früh, sich zu diesem Thema zu äußern. Ich hoffe aber, dass die Plattformen den Talenten in der Region NRW mehr Sichtbarkeit und Unterstützung geben können. In unserer Vision erfährt der Designer eine Erhebung seiner Arbeit, und der Blick von außen fällt auf den künstlerischen Aspekt seiner Kollektion.

Ist die Vernetzung mit anderen (Kreativ)Branchen ein Thema in der Modedesign-Szene? Wie wichtig ist die branchenübergreifende Zusammenarbeit? 

Es ist sehr wichtig für uns, mit allen kreativen Industrien zusammenzuarbeiten, denn Mode, Kunst, Musik, Film und Sport sind ein wichtiger Teil unserer Kultur und stark in NRW vertreten. Die Mode findet wie selbstverständlich immer ihren Weg zu den anderen Kreativbranchen. Jetzt gilt es jedoch auch, von politischer Seite die Türen zu öffnen und Modedesign seinen Respekt zu bekunden und die Talente zu supporten.

Bei INTERACTION geht es in einer Diskussionsrunde und zwei Workshops vor allem um das Thema Internationalisierung. Wie wichtig ist es für hiesige Modedesigner, sich auch international aufzustellen, und wo liegen dabei die größten Herausforderungen? 

Mode ist immer ein internationales Geschäft. Wenn Designer international tätig sein wollen, brauchen sie die Unterstützung aus der Politik. Zudem muss die Industrie lokale Talente stärker unterstützen, um die Lücke zur Globalisierung zu schließen.

International hat deutsches Modedesign einen höheren Stellenwert als Zuhause. Uns geht es darum, der Mode den gleichen Respekt entgegenzubringen, wie hier der Kunst, der Musik und dem Produktdesign entgegengebracht wird.

Die Digitalisierung bewirkt in allen Branchen der Kultur- und Kreativwirtschaft enorme Umbrüche. Wie wirkt sich der digitale Wandel auf die Modebranche aus?

Die Nutzung des Internets und der sozialen Medien hat viele Gelegenheiten für eine sofortige Sichtbarkeit geschaffen und verändert dadurch die Art und Weise, wie wir einkaufen und wie wir auf Mode zugreifen. Es bietet viele neue Chancen!

Das Bild in der digitalen Welt ist jedoch schneller als die Materie, was zu großen Herausforderungen führt, da es sich bei Mode immer noch um echte textile Ware handelt. Aktuell werden die Prozesse in der Modebranche komplett neu entwickelt. Man spricht von der größten Revolution seit der frühen Industrialisierung um 1850, als die Konfektion angewandt wurde.

Die German Fashion Designers Federation ist neu gegründet. Welche Ziele verfolgt der Verband, und wer kann Mitglied werden?

Die German Fashion Designers Federation ist eine Organisation, die sich aus deutschen Modedesignern zusammensetzt, die Wissen und Erfahrungen über neue Entwicklungen, Prozesstechnologien und Brancheninnovationen austauschen. Unser Hauptziel ist es, die deutsche Mode- und Luxusindustrie sowie verwandte Lifestyle-Industrien auf dem globalen Markt zu stärken und Modekultur zu schaffen. Die GFDF engagiert sich für die Förderung und Unterstützung von Kreativität und Kompetenz im Bereich Modedesign durch Förderung von Best Practice, praktischer professioneller Unterstützung, Entwicklungsmöglichkeiten und Bildung. Sie will Mode als Kulturgut in Deutschland etablieren und nachhaltiges Modedesign in unserer Kultur verankern.

Mehr Informationen zu THE NRW DESIGN ISSUE