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Sabine Bornemann | Creative Europe Desk KULTUR

CREATIVE.NRW sprach mit Sabine Bornemann, Leiterin des Creative Europe Desk KULTUR, über das neue Rahmenprogramm KREATIVES EUROPA.

Kreative Fördersummen bleiben oft ungenutzt. Die finanzielle Lücke wird laut einer EU-Studie in den kommenden Jahren auf mehr als 13.4 Milliarden Euro geschätzt. Inwiefern schließt das neue Programm diese Lücken? Und mit welchen Mitteln?

Das europäische Rahmenprogramm KREATIVES EUROPA (2014-2020) vereint unter einem Dach die Teilprogramme KULTUR und MEDIA (Filmförderung) mit einem neuen Garantiefonds, der ab 2016 allen Kultursektoren zu günstigen Darlehen verhelfen soll. Bisher hatte es solch einen Garantiefonds nur im MEDIA-Programm gegeben.

Das Gesamtbudget für sieben Jahre beläuft sich auf 1,46 Milliarden Euro. Das scheint auf den ersten Blick nicht genug. Dennoch erhöht sich das gesamte Programmbudget gegenüber dem Vorgängermodell um 9 Prozent. In Anbetracht der globalen Kürzungen des EU-Haushaltes somit eine freudige Nachricht.

Da sich künftig auch die meisten EU-Nachbarländer für die Teilnahme am Programm bewerben können und dann ebenfalls in den Topf einzahlen werden, wird letztendlich eine höhere Summe an den Kultur- und Kreativsektor zu verteilen sein. Auf das Teilprogramm KULTUR entfallen dabei mindestens 31 Prozent des Gesamtbudets, auf MEDIA 56 Prozent und der spartenübergreifende Teil mit dem Garantiefonds soll maximal 13 Prozent erhalten.

Das ausdrückliche Ziel des Programms ist, den gesamten europäischen Kultur- und Kreativsektor wettbewerbsfähiger zu machen
Für wen eignen sich die aktuellen Calls?


Für das Teilprogramm KULTUR gilt: Bewerben können sich nur juristische Personen, das heißt also privatrechtliche oder öffentlich rechtliche Organisationen und Einrichtungen, die überwiegend im kulturellen Bereich tätig sind. Zugrunde gelegt ist ein breiter Kulturbegriff. Es kann sich beispielsweise um Vereine oder Verbände handeln, um städtische Theater, Orchester oder Museen, um Kunsthochschulen oder Kulturämter, Archäologische Institute, Institutionen der Medienkunst usw. Einzelne Kulturschaffende können zwar keinen Antrag stellen, sich aber durchaus bei einer Institution z.B. als Projektleiter temporär einstellen lassen.

Der wichtigste Förderbereich zielt auf Kooperationsprojekte und sieht zwei Formate vor. Das kleinere benötigt insgesamt mindestens drei Partnerländer, die Fördersumme kann bis zu 200.000 Euro betragen, wobei der EU-Zuschuss 60% des Budgets nicht übersteigen darf. Großprojekte beginnen bei sechs Partnerländer und erhalten bis zu 50% ihres Budgets, in diesem Fall bis zu 2 Millionen Euro. Die Laufzeit bei beiden darf bis zu vier Jahren betragen. 

In allen beteiligten Ländern finden dabei gemeinsame Aktionen des Austausches statt. Die geförderten Projekte sollen vor allem zur Professionalisierung der Akteure des Kultur- und Kreativbereichs sowie zur Publikumsentwicklung beitragen. Sie sollen dabei helfen, neue Publikumsschichten zu erreichen und neuen Talenten den Zugang zum europäischen Markt eröffnen.

Ein neues, großformatiges Förderformat nennt sich Europäische Plattformen. Dort geht es darum, in einer Kooperation, die mindestens zehn Länder umfasst, aufstrebende Talente grenzüberschreitend zu präsentieren.


Gibt es unerwartete Einschnitte in den neuen Programmen?

Ein größerer Einschnitt ist bei der Netzwerkförderung zu verzeichnen. Bislang erhielten pro Jahr rund 50 große europäische Kulturnetzwerke aller Kultursparten Betriebskostenzuschüsse, um die Verbandsarbeit mit einem zentralen Büro leisten zu können. Künftig soll auch dieser Bereich auf Projektförderung umgestellt werden und nur noch halb so viele, nämlich 25 Netzwerke werden sich der Förderung erfreuen dürfen, allerdings ggf. mit wesentlich höheren Zuschüssen, was die längerfristige Option von Zusammenschlüssen ähnlicher Netzwerke in Betracht ziehen lässt.
Inhaltlich lesen sich die Kriterien der Netzwerkförderung ähnlich wie bei den Kooperationsprojekten, nur dass von den Netzwerken ein methodisch umfassenderer Ansatz zur Strukturierung des von ihnen vertretenen Teilsektors erwartet wird.

Was sind die zentralen Anlaufstellen für Kulturakteure aus NRW?

Der Cultural Contact Point Germany wird nun nach rund zwei Jahrzehnten der Beratungstätigkeit gemeinsam mit MEDIA Desk und -Antennen zum Creative Europe Desk Deutschland. Die thematische Aufteilung bleibt bestehen: Die vier regionalen Büros in Hamburg, Potsdam, München und Düsseldorf beraten vor allem zum Teilprogramm MEDIA, während das Bonner Büro weiterhin die Nationale Kontaktstelle für die Kulturförderung der EU bleibt. Der Beratungsservice ist kostenlos.
Auf der Internetseite des Teilprogramms KULTUR gibt es zahlreiche Projektbeschreibungen, die ein plastisches Bild von möglichen Kooperationen vermitteln.

Nähere Informationen und Kontaktadressen finden Sie unter www.creative-europe-desk.de bzw. vorerst noch unter www.ccp-deutschland.de.