CreateMedia.NRW Gewinner

Als Gründerin des Büros für Möglichkeitsräume und Vorstandsmitglied im Verein die Urbanisten in Dortmund arbeitet Svenja Noltemeyer im Bereich Stadtentwicklung durch Kunst und Kreativwirtschaft. Mit CreateNet.NRW hat sie ein Projekt entwickelt, das über kreativwirtschaftlich genutzte Standorte forscht. Es soll dazu beitragen, Lerneffekte und Kooperationen anzuregen und damit den Standortfaktor Immobilie für die Kreativwirtschaft in Nordrhein-Westfalen attraktiver und sichtbarer zu gestalten. Im Fokus stehen 20 exemplarische Gewerbeimmobilien, davon 15 aus NRW, sowie deren BetreiberInnen und NutzerInnen. Das Projekt wird im Rahmen des Leitmarktwettbewerbs CreateMedia.NRW gefördert, dessen letzte Einreichrunde noch bis zum 9. April 2018 läuft.

Frau Noltemeyer, Netzwerke gibt es viele, aber noch keines von und für Kreativstandorte bzw. kreativwirtschaftlich genutzte Immobilien. Welche Grundidee steckt hinter dem Projekt?

Standorte, in denen Kreativwirtschaft eine große Rolle spielt, sind meist sehr interessante und lebendige Orte mit diversen Gemeinschaftsstrukturen. Sie sind also gerade für Kleinunternehmen und Gründer wichtig, um ideale Arbeitsbedingungen zu haben. Es gibt aber nirgendwo eine Übersicht über diese Orte, und nur durch Glück und Mundpropaganda erfährt man bislang von ihnen. Das möchten wir ändern und die Standorte in NRW sichtbarer machen. Zudem prüfen wir, ob es einen Bedarf zur Vernetzung zwischen den Standorten gibt, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. In den Gesprächen mit den nordrhein-westfälischen Betreibern hat sich dabei durchaus ein Bedarf an Vernetzung herauskristallisiert. Am Ende des Projekts wollen wir Empfehlungen geben, wie man ein solches Netzwerk organisieren und welchen Themen es sich widmen kann.

Die erste Phase des Projekts wurde Ende letzten Jahres mit einer Typisierung der Standorte abgeschlossen. Welche Ergebnisse konnten Sie daraus ziehen?

Uns hat interessiert, ob es signifikante Zusammenhänge von einzelnen Faktoren gibt. Wir haben uns bei den einzelnen Standorten Nutzungskonzept, Quartiersbezug, Förderung, Kooperationen, Non-Profit-Bereich, Services, gemeinschaftliche Infrastruktur, funktionale Mischung, Größe, Baualter, Image, Mietpreise und die Gestaltung der Nutzungsflächen angeschaut, diese Faktoren in unterschiedliche Bezüge zueinander gesetzt und unter den Standorten verglichen. Im Endeffekt kann man sagen: Fast alles ist überall anders. Uns ist eine große Vielfalt begegnet, die sich in verschiedenen Eigentümer- und Betreibermodellen, den Nutzungskonzepten und den vielfältigen Immobilien widerspiegelt.

Wo liegen die größten Herausforderungen der Kreativstandorte, und wie könnte das Netzwerk helfen?

Die individuellen Herausforderungen für die einzelnen Betreiber sind ganz unterschiedlicher Art. Sie gehen von Fragen des Bauordnungsrechts und der Finanzierung über das Raummanagement hin zu technischer und organisatorischer Ausstattung (Internet, Community-Management etc.). Das Netzwerk CreateNet.NRW könnte beispielsweise in den Fragen helfen: Wie nutze ich große Hallen am besten? Welche Veranstaltungsformate sind erfolgreich? Welche Innovationsräume sind wichtig? Gerade in neuen Themen wie Maker Spaces, FabLabs, schnelles und sicheres Internet etc., Fragen der Finanzierung und alltäglichen Fragen wie Post, Putzen, Raumbelegung etc. sehen die Betreiber im Austausch untereinander Chancen, Best-Practice-Beispiele zu erfahren sowie Kontakte und Dienstleistungen auszutauschen.

Wirkt sich die kreativwirtschaftliche Nutzung von Immobilien auf die Stadtentwicklung aus?

Wir haben im Prinzip drei Typen von Immobilien kennengelernt: Typ 1 ist weitgehend unabhängig vom Umfeld, d.h. hier bestehen keine oder nur sehr schwache Bezüge zum Quartier. Zum Beispiel gibt es einfache Möglichkeiten des Einkaufs oder Restaurants, die von den Unternehmen genutzt werden. Einige Standorte suchen hingegen gezielt ein urbanes Umfeld, d.h. sie brauchen eine gute technische und soziale Infrastruktur, zum Beispiel ÖPNV-Anbindung, Restaurants, Cafés, Kitas, weil das für die ansässigen Unternehmen wichtig ist. Der dritte Typ hat einen sehr engen Bezug zum Quartier und ist Nukleus für integrierte Stadtentwicklungsstrategien. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass sich die Immobilie für den Stadtteil öffnet, etwa bei Flohmärkten, Netzwerktreffen, Kulturveranstaltungen etc. Hierzu würden wir beispielsweise Utopiastadt in Wuppertal zählen. Dieser Typ wurde häufig von den Nutzern selber entwickelt.

Können Sie Trends für zukünftige Arbeits- und Raumnutzungskonzepte in der Kultur- und Kreativwirtschaft erkennen?

In den bereits geführten Interviews wurde klar, dass sich einige Unternehmen einen Maker Space wünschen oder diesen gerne nutzen. Die Weiterentwicklung von Ideen mit Hilfe von 3-D-Drucker, CNC-Fräse, Plottern etc. und der Fachaustausch mit Menschen, die sich mit innovativem Prototyping beschäftigen, ist den Unternehmen wichtig. Auch das Community-Management durch den Betreiber des Hauses spielt eine große Rolle vor Ort. Voraussetzung dafür sind ein engagierter Host und eine entsprechende Infrastruktur oder Räume, die formelle und informelle Treffen zwischen den Unternehmen zulassen. Angebote wie Coworking hingegen sind zwar immer wieder anzutreffen, spielen aber eine eher nachgeordnete Rolle in vielen Nutzungskonzepten.

Was sind die nächsten Schritte, und welches Ergebnis erhoffen Sie sich, wenn das Projekt im Dezember 2018 endet?

Wir erhoffen uns zum einen ein erhöhtes Augenmerk auf das Thema kreativwirtschaftlich genutzte Immobilien und eine stärkere Sichtbarkeit der einzelnen Standorte in NRW generell. Das wird die Arbeitsbedingungen der Kreativunternehmen stärken. Zum anderen wäre es toll, wenn sich durch das Projekt die Standorte untereinander näher kommen, bei Bedarf in Austausch und Kooperation treten und sich dadurch gegenseitig stärken. Daneben wäre es schön, wenn die Wirkung von kreativwirtschaftlichen Immobilien in den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Stadtentwicklung zukünftig differenzierter betrachtet wird und sich ggf. auch Förderstrukturen weiterentwickeln können. Wir erhoffen uns, durch den Endbericht und die gebündelte Sichtbarkeit von Standorten, mehr Aufmerksamkeit für das Thema erzeugen zu können.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen Netz NRW – Verbund für Ökologie und soziales Wirtschaften e.V. und dem Institut für Raumforschung & Immobilienwirtschaft Dortmund. Wie kam es zu der Zusammenarbeit, und warum ist gerade die Kreativwirtschaft für die beiden Partner ein Thema?

Das netz NRW unterstützt als Verbund für Ökologie und soziales Wirtschaften viele kleine Betriebe. Zum Beispiel hat man als Mitgliedsbetrieb den Vorteil, für seine Mitarbeiter das vergünstigte Firmenticket beziehen zu können. Auch aktuelle Informationen für Kleinstbetriebe u.a. zum Steuerrecht, zu Förderprogrammen, zur betrieblichen Weiterbildung oder zu Verbundprojekten werden regelmäßig an die Mitgliedsbetriebe verteilt. Netz NRW sitzt im Union Gewerbehof in Dortmund, in dem auch viele kleine Kreativunternehmen ansässig sind. Uns interessiert, wie man diese Unternehmen in den Häusern unterstützen kann und wie sich mehr solcher Standorte bilden können, in denen gemeinsam selbständig gearbeitet wird. Das Institut für Raumforschung & Immobilienwirtschaft (IRI) bringt sein immobilienwirtschaftliches Know-how in das Projekt ein. Wir genießen die Zusammenarbeit, die fachlich als auch menschlich super funktioniert.

Welchen Tipp haben Sie für Kreative, die sich bei CreateMedia.NRW bewerben möchten?

Bei unserer Antragstellung hat es sehr lang gedauert, bis wir alle Arbeitsschritte, Partner und Zielsetzungen rund hatten. Wir raten, dies nicht zu unterschätzen und sich viel Zeit zu nehmen. Leider ist das in zum Teil prekären und auch überlasteten Arbeitsstrukturen nicht immer einfach. Auch das Thema der Finanzierung des Eigenanteils muss gut durchdacht sein. Nichtsdestotrotz gibt CreateMedia.NRW gute Möglichkeiten, Ideen weiterzugehen, die man alleine nicht schaffen würde.

Mehr Informationen zu CreateNet.NRW

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