CREATIVE.Talk

CREATIVE.NRW sprach mit Stefanie Waschk, Projektleiterin der Game Development Initiative Ruhr (GDI.Ruhr), über die Entwicklung der Games- und Softwareindustrie in NRW, Stärken und Schwächen des Standorts und über alternative Einsatzbereiche von Computerspielen im Gesundheitswesen und in der Industrie.

CREATIVE.NRW sprach mit Stefanie Waschk, Projektleiterin der Game Development Initiative Ruhr (GDI.Ruhr), über die Entwicklung der Games- und Softwareindustrie in NRW, Stärken und Schwächen des Standorts und über alternative Einsatzbereiche von Computerspielen im Gesundheitswesen und in der Industrie.

NRW hat den umsatzstärksten Games- und Softwaremarkt in Deutschland. Wo liegen die Stärken des Standortes?

Die öffentlichen Hochschulen und private Ausbildungseinrichtungen in NRW bieten gerade für die Spielebranche ein attraktives Umfeld: Zahlreiche Informatik- und Medienstudiengänge sowie dedizierte Ausbildungsprogramme für Spieleentwickler sorgen für ausreichend Nachwuchs in der Branche. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Anbindung an das Verkehrsnetz: Viele Publisher und Partner sitzen in den USA, Asien oder dem europäischen Umland, sodass der Düsseldorfer Flughafen einen wichtigen Standortfaktor darstellt. Darüber hinaus können Spieleentwickler hier schnell Kontakte zu den zahlreich vertretenen klassischen Industrien knüpfen.

Was könnte noch besser laufen?

Viele der kleinen bis mittelgroßen Entwicklungsstudios befinden sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu den Publishern und anderen Geldgebern, welche Auftragsarbeiten und Projekte finanzieren, aber wenig Spielraum für Eigenentwicklungen der Studios lassen. Häufig fehlt es daher an Geld und Zeit, eine eigene Spielidee so weit auszuarbeiten, dass man sie potenziellen Geldgebern vorstellen kann. Die Prototypenförderung der Film- und Medienstiftung ist ein wichtiger und richtiger erster Schritt und bietet Firmen die Möglichkeit, einen Prototypen ihrer Idee zu erstellen, um diesen dann bei Geldgebern vorzustellen. Was definitiv fehlt, ist eine „Entwicklungsförderung“, um die Emanzipation der Studios weiter voranzutreiben. Ein weiteres Problem ist häufig die mangelnde Kenntnis potenzieller Geldgeber über die Spielebranche.

Kritiker meinen, dass Computerspiele lediglich banale Unterhaltung seien. Welche Potenziale haben Computerspiele, und wo kommen sie heutzutage zum Einsatz?

Digitale Spiele haben sich in den vergangenen Jahren sehr stark ausdifferenziert, sodass sie heute in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen eine Rolle spielen. Natürlich gibt es „banale“ Games, die nur der Unterhaltung dienen – im Filmbereich nennt man das „Popcorn-Kino“. Doch neben dem reinen Unterhaltungszweck gibt es sogenannte „Serious Games“, die zur Personalschulung, Simulation und Ausbildung, aber auch im medizinischen Umfeld zur Prävention oder Rehabilitation eingesetzt werden. Herausragende Beispiele sind z.B. ein Spiel für krebskranke Kinder (Re-Mission von Hopelab) oder ein Puzzlespiel zur Erforschung von Enzymketten (Foldit). Aber auch Spiele für den Massenmarkt wie Nintendos Wii Fit zeigen, dass man ein Spielerlebnis nutzen kann, um einen Mehrwert zu erzielen.

Kreation, Design, Programmierung, Verlag und Vermarktung – bis ein Spiel oder eine Software auf den Markt kommt, braucht es viele Akteure. Wo liegt das Gewicht in NRW? Verlegen oder kreieren?

Ich bin geneigt zu sagen, dass der Schwerpunkt im Bereich der Entwicklung liegt, aber wenn man näher darüber nachdenkt, kann man eher von einem gesunden Gleichgewicht sprechen, was die lange Historie der Spieleentwicklung und des Vertriebs in NRW erklärt und auch für die Zukunft viele Chancen und Potenziale bietet.

Was sind die Trends der Branche für das Jahr 2013?

Ein Trend, der sich in 2013 weiter verstärken wird, ist die digitale Distribution von Spielen und möglicher Zusatzinhalte. Nicht zu vergessen: Das Wachstum im Bereich der mobilen Spiele wird auch weiterhin durch die steigende Verbreitung von Smartphones und Tablet-Computern vorangetrieben. Auf Seiten der Spieleinhalte gewinnen Serious Games eine immer größere Bedeutung. Darüber hinaus spielen persistente Online-Spielwelten und damit verbundene Monetarisierungsmodelle wie Free-to-play eine immer größere Rolle in der Branche: Diverse AAA-Entwickler haben angekündigt, zukünftig schrittweise auf das Free-to-play-Geschäftsmodell umzusteigen.