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CREATIVE.NRW sprach mit Peter Pauls, Chefredakteur des Kölner Stadtanzeigers, über die aktuelle Medienkrise, das Verhältnis von digital publizierten und gedruckten Inhalten sowie die Zukunft des Berufsbild des Journalisten.

CREATIVE.NRW sprach mit Peter Pauls, Chefredakteur des Kölner Stadtanzeigers, über die aktuelle Medienkrise, das Verhältnis von digital publizierten und gedruckten Inhalten sowie die Zukunft des Berufsbild des Journalisten.

Kritiker befürchten, dass die Insolvenzen der Frankfurter Rundschau und Financial Times Deutschland erst die Anfänge einer umschweifenden Medienkrise seien, an dessen Ende die umgreifende Reorganisation der Medien stehen wird. Wie schätzen Sie die derzeitige Lage ein?

In der Tat definiert sich das Verhältnis Print/Online neu. Aber der Kölner Stadt-Anzeiger ist solide im Markt verankert, weil er auf allen Verbreitungskanälen Qualitätsjournalismus liefert. Noch nie war die Reichweite unserer Marke so groß.

Durch die Digitalisierung verlieren Verleger im Schnitt zwei bis zweieinhalb Prozent jährlich an Auflage.[1] Wie können Printmedien zukunftsfähig wirtschaften?

Eine Erfolgsbotschaft lautet: Kosten sparen, ohne die Qualität zu reduzieren. In unserem Falle konnten wir – trotz Sparmaßnahmen – sogar die Qualität steigern, weil wir Synergien innerhalb unserer M. DuMont Schauberg-Redaktionsgemeinschaft nutzen. Ich behaupte, dass der Kölner Stadt-Anzeiger noch nie so viele gute Autorengeschichten im Blatt hatte wie heute. Und die Erlös-Chancen von Online und Digital, etwa über unsere I-Pad-Abos, steigen.

Wie setzt sich Qualitätsjournalismus zwischen all dem Rauschen auf allen Kanälen - ob im Print- oder Onlinebereich - durch?

Ich habe den Eindruck, dass die Nachfrage nach Journalismus noch nie so groß war wie heute. Deswegen steigt doch die Zahl der Medienangebote permanent. Ich sehe daher auch den Qualitätsjournalismus nicht in der Krise.

Welche Strategien - sowohl im Printbereich als auch digital - verfolgt ihr Blatt?

Wir arbeiten sehr erfolgreich crossmedial. Im Print verankern wir uns stärker im Lokalen, ohne deutsche und internationale Angelegenheiten zu vernachlässigen. Hier hilft uns die Zusammenarbeit mit den anderen Titeln unseres Hauses. Digital expandieren wir – auch durch den neuen Newsroom, den wir in Kürze einweihen. Dort werden wir in direkter Nähe eine hervorragende Drehscheibe/Verteilzentrale für unsere lokalen und überregionalen Inhalte auf alle Vertriebskanäle haben.

Redaktionen werden zusammengelegt und Jobs bekommen die meisten Journalisten nur noch auf rein freiberuflicher Basis. Nichts desto trotz hat das Berufsbild des Journalisten nicht an Faszination eingebüßt. Was ist ihr Tipp für den "richtigen" und langfristig erfolgreichen Einstieg in diese Branche?

Wir stellen immer wieder Redakteurinnen und Redakteure ein, wenngleich mit Augenmaß. Online-Kräfte werden sogar mit Hochdruck gesucht. Das widerspricht einer Behauptung in Ihrer Frage und beantwortet sie zugleich.

Welche Maßnahmen können Politik und andere öffentliche Organisationen zur Stärkung der Pressewirtschaft ergreifen?

Die Neufassung des absolut überholten Pressefusionsrechts sehe ich als nötig an. Und ganz allgemein müsste man bitte die Regelungswut zügeln.

[1] Prognos: Kreativ-Report NRW, 2012.
[2] Ebd.