CREATIVE.Talk

Philipp Stendebach, Sandra Birkner und Lisa Maria Müller bilden den Kern des Filmproduktionsteams StadtLandFluss Filmproduktion aus Köln. Im CREATIVE.TALK geben die Macher Einblicke in ihre Erfahrungen und Strategien zum erfolgreichen Crowdfunding.

Philipp Stendebach, Sandra Birkner und Lisa Maria Müller bilden den Kern des Filmproduktionsteams StadtLandFluss Filmproduktion aus Köln. Mit ihrem Filmprojekt „Cruz Verde“ übertrafen die Drei das veranschlagte Finanzierungssoll auf der Crowdfunding-Plattform Startnext. Im CREATIVE.TALK geben die Macher Einblicke in ihre Erfahrungen und Strategien zum erfolgreichen Crowdfunding.

 

CREATIVE.NRW: Wer sollte von Crowdfunding partout die Finger lassen, und welche Kriterien bringen den nötigen Erfolg?

Müller: Generell kann jeder Crowdfunding für seine Projektidee nutzen. Kriterien für den nötigen Erfolg gibt es dennoch einige: Man muss vor allem Geduld haben und keine Scheu, sich am Anfang der Projektphase mit finanziellen Detailfragen auseinanderzusetzen, damit das Geld auch wirklich im eigenen Projekttopf landet.

Birkner: Das Wichtigste ist, sein Projekt gut zu bewerben, die Einzigartigkeit herauszustellen und transparent zu machen, wofür man das Geld der Unterstützer benötigt. Eines der wichtigsten Kriterien für den Erfolg beim Crowdfunding ist daher die ständige Online-Präsenz und Aktualität des Projektverlaufs. Wenn man zeigt, dass von der anfänglichen Idee bis zur Realisation eine Entwicklung und Professionalisierung stattgefunden hat, steigert dies das Interesse der Unterstützer. Geld braucht jeder, und es gibt viele gute Ideen, die unterstützt werden wollen. Erst die Kontinuität und das Durchhaltevermögen zeigen die Ernsthaftigkeit hinter einem Projekt und führen zum Erfolg.

CREATIVE.NRW: Wie sah das Erfolgsrezept eures Projekts zum Film „Cruz Verde“ aus? Welchen Finanzierungsmix habt ihr gewählt?

Stendebach:
Wir haben auf Crowdfunding gesetzt, um unseren Film und die dazugehörige Reise zu vermarkten. Der Rest wurde aus Hochschulmitteln und Filmaufträgen generiert.

Müller: Wir haben sehr viel Werbung gemacht, haben Flyer genutzt und sind darüber an Personen herangetreten, die wir selbst kaum kannten. Je mehr Leute von einem Projekt wissen, desto einfacher ist die Finanzierung.

CREATIVE.NRW: Was gibt der Schwarmfinanzierung so viel gesellschaftlich relevanten Aufwind, und wo bestehen die Unterschiede zu traditionelleren und etablierten Finanzierungswegen wie der Suche nach Sponsoren?

Stendebach: Jeder kann bei der Entstehung eines Werks behilflich sein und somit Kultur mitgestalten. Crowdfunding zielt meiner Meinung nach auf das immer stärker werdende Bedürfnis nach Partizipation in unserer Gesellschaft ab.

Müller: Außerdem ist die Schwarmfinanzierung heute überhaupt erst durch Netzwerke wie Facebook und eigene kostengünstige Homepages möglich. Durch eine gewisse, wenn auch digitale Nähe fühlen sich Menschen den Projekten verbunden und wollen sie unterstützen. Sponsoren zu finden hat sich für uns hingegen schwieriger gestaltet.

Birkner: Jeder Unterstützer, der selbst nur einen Euro spendet, fühlt sich dem Projekt zugehörig und wird den weiteren Verlauf des Projektes verfolgen. Sponsoren zu gewinnen ist weitaus schwieriger, da es sich um viel höhere Beträge handelt. Im Fall von Crowdfunding werden Unterstützer zu Marketing-Partnern. Je nach Höhe der Spende wird man, in Fall von unserem Filmprojekt, mit einer Postkarte der Reise, einer DVD des Films, Einladung zur Premiere oder Nennung im Abspann belohnt.

CREATIVE.NRW: Crowdfunding ist Trendthema. Wie schätzt ihr das Potential der Finanzierungsart in Zukunft ein?

Birkner: Die Möglichkeiten des Crowdfunding sind noch nicht erschöpft. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit sich diese Form der Projektfinanzierung durchsetzen wird. Bei unserem Projekt ist der Finanzierungsanteil durch Crowdfunding noch recht gering. Doch andere Beispiele zeigen, dass sich durch die Finanzierungsform komplette Kinofilme finanzieren lassen. Außergewöhnliche Projekte, die auf dem klassischen Weg keine Chance auf Unterstützung haben, werden in Zukunft vermehrt diese Form der Finanzierung nutzen.

Müller: Crowdfunding wird einen immer größeren Stellenwert einnehmen, dessen bin ich mir sicher. In Amerika gibt es Projekte, die mehrere zehntausend Dollar über Crowdfunding sammeln. Eine ähnliche Entwicklung wäre hier auch denkbar.

CREATIVE.NRW: Was passiert als nächstes?

Birkner: Derzeit befinden wir uns mit unserem Kurzfilmprojekt „Cruz Verde“ in der Postproduktion. Unsere Premiere ist für August/September geplant. Bis dahin wird man auf unserer Webseite umfassend zum Projektstand informiert.

Stendebach: Nach der Fertigstellung werden wir einige Festivals im europäischen Raum anvisieren. Auch bei der Filmvermarktung werden wir ungewöhnliche Wege gehen, die auf das Genre des Roadmovies zugeschnitten sind.

Müller: Unser Idealziel ist es, den fertigen Film an einen Sender zu verkaufen und ihn einem möglichst großen Publikum zu präsentieren.