Markiert euch!

Es liegt in der Natur der Menschen, dass sie sich zunächst zu kleinen, überschaubaren Gruppen zusammenschließen, sich über diese Zugehörigkeit selbst definieren – und dann gegenüber der Außenwelt abgrenzen, indem sie ihre Eigenheiten und die Unterschiede betonen.

Der rechtsrheinisch lebende Kölner ist natürlich ganz anders gestrickt als der linksrheinische lebende Kölner. Erst in Abgrenzung zum Düsseldorfer wird eine Kölner Identität postuliert. Und wenn man ins Ruhrgebiet blickt, fühlt man sich auch schon mal als Rheinländer. Solche regionalen Eigenheiten sind in NRW lange gepflegt worden. Das „Kirchturmdenken“ ist schon fast sprichwörtlich. Doch in Zeiten eines globalen Marktes, dem sich auch die Kreativwirtschaft stellen muss, kommen wir in NRW nicht weiter, wenn jeder nur auf sich selbst verweist, wenn er nicht erkennt und auch nicht zu erkennen gibt, zu welch großem Ganzen er in NRW gehört.

So erreichen wir als NRW-Kreativwirtschaft keine kritische Masse, keine Sichtbarkeit, keine Wirkung, die über die Grenzen NRWs, die Grenzen Deutschlands oder gar die Grenzen Europas herausreichen könnte. Nur wenn wir unsere Netzwerke weiter vernetzen, zu größeren Einheiten zusammenschließen, starke „Cluster“ bilden, haben wir die Chance, dort draußen wahrgenommen zu werden.

Wir müssen herausfinden: Was vereint uns in NRW? Welche Qualitäten haben wir gemeinsam? Was macht uns hier im Westen so besonders? Die hohe Dichte an Museen, Theatern und anderen Orten der Hochkultur, lebendige und auch unbequeme freie Szenen, kreative Kreuz- und Querdenker mit Macherqualitäten, Bildungseinrichtungen mit starkem Praxisbezug und innovativen Konzepten, eine Wirtschaft mit etablierten Traditionsbetrieben und vielversprechenden Start-ups, Städte im Strukturwandel, die Freiräume für Neues eröffnen, Standorte, die zu Bewegungsräumen werden – und dazu die sich durchsetzende Erkenntnis, dass die Kreativwirtschaft ein über sich selbst hinauswirkender Motor gesellschaftlicher Entwicklung ist: Das alles bildet für die Kreativwirtschaft einen Nährboden oder besser: eine Innovationsökologie, um die uns „da draußen“ viele beneiden (auch wenn sie es vielleicht nicht zugeben) – und die manche in NRW selbst nicht genug zu schätzen wissen.

Mit der Marke CREATIVE.NRW arbeiten wir seit beinahe drei Jahren daran, die Kreativen in NRW crossdisziplinär und interregional zu vernetzen, auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen, Rahmenbedingungen zu verbessern, die Wahrnehmung und Wertschätzung der Kreativwirtschaft innerhalb und außerhalb von NRW zu stärken. Zusammen mit unseren Partnern aus den städtischen oder regionalen Kreativnetzwerken, den Wirtschaftsförderungen und den Verwaltungen haben wir schon manches erreicht und bewegt. CREATIVE.NRW ist in NRW und darüber hinaus als Marke der NRW-Kreativwirtschaft bekannt und anerkannt. Doch auch in anderen Bundesländern hat man die Bedeutung der Kreativwirtschaft inzwischen erkannt – der Wettbewerb um Talente, um Ideen, um EU-Mittel und auch um Aufträge ist in vollem Gang. Deshalb müssen wir noch besser kooperieren, unsere Stärken noch besser bündeln und deutlicher markieren, unsere Themen noch wirksamer nach außen tragen. Wir müssen klarmachen, wofür die Kultur- und Kreativwirtschaft in NRW als Marke steht. Wir laden alle Kreativen in NRW ein, diesen Weg mit uns zu gehen – als schillernde Einheit, die sich ihrer Vielheit bewusst ist.

Christian Boros
Clustermanager CREATIVE.NRW