CREATIVE.Talk

Stefan Scheurer ist Geschäftsführer der SEVERIN GmbH. Das Sauerländer Traditionsunternehmen produziert Elektrogeräte für den Haushalt und agiert in über 80 Ländern weltweit. SEVERIN ist Sponsor des Nachwuchsförderprogramms ADCFieldwork.


Lieber Herr Scheurer, inwieweit müssen sich Unternehmen bei der Nachwuchsförderung auch von Kreativen in der Verantwortung sehen? 

Unternehmen müssen sich – ganz egal wie groß sie sind – einer Tatsache bewusst werden: Ohne Nachwuchsförderung laufen sie Gefahr, den Wirtschaftsstandort Deutschland aufs Spiel zu setzen. Der Fachkräftemangel macht sich immer deutlicher bemerkbar, auch für mittelständische Unternehmen wie SEVERIN. Firmen, Produkte und Standorte müssen sich bei Nachwuchstalenten bewerben, nicht umgekehrt. Wer sich nicht um den Nachwuchs kümmert, wird vom Wettbewerb abgehängt. Schlimmstenfalls droht ein Exodus der Top-Talente ins Ausland. Nachwuchsprogramme haben einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil: Sie helfen, die kreative Energie von Studierenden in die richtigen Bahnen zu lenken.

Welche Transferleistungen immaterieller und materieller Art kann und sollte eine innovative Nachwuchsförderung abdecken?

Studierende, die ein konkretes Ziel vor Augen haben, sollten sich voll und ganz auf ihr Projekt konzentrieren können. Aus diesem Grund muss die Nachwuchsförderung eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit sicher stellen. Darüber hinaus müssen wir Designern und Kunstschaffenden wirtschaftliche Instrumente an die Hand geben, die sie bestmöglich auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten. Ideenwettbewerbe wie das ADCFieldwork-Projekt simulieren Aufgabenstellungen unter realitätsnahen Bedingungen. Eine ideale Plattform, um Studierende mit dem nötigen praktischen Know-how auszurüsten. Durch eine sinnvolle Nachwuchsförderung entwickelt sich für beide Parteien eine Win-win-Situation. Die jungen Kreativtalente profitieren vom fachlichen Wissen des Unternehmens. Andersherum sorgen die Studierenden für viel frischen Wind in den Abteilungen. 

Was für eine Rolle werden interdisziplinäre Kooperationen zwischen Kreativwirtschaft und Industrie auf den Märkten der Zukunft spielen? 

Die enge Verzahnung von Kreativwirtschaft und Industrie ist notwendige Realität, keine Zukunftsmusik. Auf Produktebene spielen intelligente und nachhaltige Designlösungen für SEVERIN eine übergeordnete Rolle. Schon jetzt müssen wir uns Gedanken machen, wie ein elektrischer Küchenhelfer oder ein Kaffeevollautomat in fünf oder zehn Jahren aussehen muss – und was er leisten soll. Auch auf gesellschaftlicher Ebene müssen wir als Mittelständler für die Zukunft planen. Dank der zahlreichen Projekte beim ADCFieldwork sind wir beispielsweise in der Lage, zukünftige Fragen zu gesellschaftlichen Herausforderungen aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten. In ihren Arbeiten haben die Studierenden virtuelle Firmen gegründet, neue Produkte und Systeme erfunden sowie Spiele und Magazine entworfen. Insbesondere die Bandbreite der vorgestellten Ideen hat uns beeindruckt. Wir werden die Projekte im Auge behalten und in Absprache mit Produkt-Experten eine Umsetzung prüfen bzw. mit unserem technischen und vertrieblichen Know-how unterstützen.


Was macht aus Ihrer Sicht den Standort attraktiv, bzw. was müsste noch getan werden, um ihn auch für Nicht-NRWler interessant zu machen? 

Als traditionsreiches Unternehmen des Mittelstandes, das seit 120 Jahren im sauerländischen Sundern produziert, fühlen wir uns der Heimat sehr verbunden. Der gesunde Mittelstand im Sauerland ist treibende Kraft für eine wirtschaftlich starke Region. Weltmarktführer und international tätige Firmen sind hier zu Hause. Diese vertreten immer noch eine solide Kultur der Familienunternehmen. Für junge Talente bieten die „Hidden Champions“ aus dem Sauerland hervorragende Karriereperspektiven. Flache Hierarchien und die Möglichkeit schon früh Verantwortung zu übernehmen, sind wichtige und positive Merkmale. Auch der Standort selbst hat einiges zu bieten. Gepaart mit unvergleichbarer Lebensqualität, wunderschöner Natur und vielen Annehmlichkeiten, nach denen man sich in einer Großstadt sonst nur sehnen kann, ist das Sauerland eine höchstattraktive Region zum Arbeiten und Leben.