Wir lieben es.

Als vergleichweise junge (und ziemlich heterogene) Branche hat die Kultur- und Kreativwirtschaft noch immer mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. „Das Berufliche überlagert das Private“ heißt es oft; der Kreative wird als Selbstausbeuter gesehen, der immer und überall erreichbar und somit „im Dienst“ ist, der keine Trennung zwischen Berufs- und Privatleben mehr kennt.

Wie bei allen Klischees ist an diesen Vorstellungen natürlich etwas dran – über deren Bewertung könnte man aber anderer Meinung sein. Und dabei sollte man die Kreativwirtschaft, wie Holm Friebe es im Interview richtig beschreibt, im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung sehen. Ich denke, die konventionellen Trennungen zwischen Freizeit und Arbeit müssen generell neu bedacht werden. Wenn es den Begriff der Frei-Zeit gibt, heißt das a priori, dass der Rest der Zeit - dass die Arbeitszeit - eine unfreie Zeit ist. Das kann nicht befriedigend sein. In einer Welt, in der man zu Hause, im Büro, im Café und selbst auf der Reise arbeiten kann, muss man diese Trennung neu hinterfragen.

Homeworking, Coworking, im Zug arbeiten, am Flughafen arbeiten: Das sind neue Möglichkeiten, die neue und auch neuartige Arbeitsplätze schaffen – und damit auch die Befriedigung eines Menschen in seiner Balance zwischen Individualität und Aufgaben, die man zu erfüllen hat, optimieren. Die Kreativen können damit ein Vorzeigemodell auch für andere Industrien sein. Und viele „klassische“ Unternehmen haben ja schon erkannt, dass sie ihren Beschäftigten mehr Freiräume bieten müssen, wenn sie die „High Potentials“ an sich binden wollen – auch hier weichen die starren Trennungen zwischen Job und Privatleben auf. Kaum eine Stellenausschreibung mehr, die ohne den Hinweis auf eine ausgeglichene Work/Life-Balance auskommt. Es geht immer weniger darum, zu festen Stunden anwesend zu sein und immer mehr um Ergebnisse. Und dafür ist es egal, wann und wo diese erzielt werden – tagsüber im Büro oder am Abend, wenn man die Kinder ins Bett gebracht hat.

Im Unterschied zu vielen aus Sicht der Kreativwirtschaft „konventionellen“ Berufen ist die Ausgangslage beim Kreativen zudem eine besondere: In der Regel liebt er, was er tut. Er ist Kreativer, weil er es liebt zu kreieren. Er hat sich für diesen Beruf entschieden, weil er seinen Ideen Form verleihen will. Er ist intrinsisch motiviert, etwas zu schaffen und das so gut wie möglich zu machen. „Wähle einen Beruf, den du liebst – und du musst keinen einzigen Tag in deinem Leben arbeiten“, soll schon Konfuzius gewusst haben. Dass der Kreative neben der eigenen Befriedigung über das Selbstgeschaffene auch gesellschaftliche Anerkennung und eine angemessene Honorierung braucht und verdient hat: Das sollte im Jahr 2011 eine Selbstverständlichkeit sein – und dafür setzen wir uns als Clustermanager Tag für Tag ein.

Christian Boros
Clustermanager CREATIVE.NRW