CREATIVE.TALK

Parallel zur Frankfurter Buchmesse entsteht 2016 mit THE ARTS+ eine Messe für digitale kulturelle Inhalte. Die Messe (vom 19.-23.10.) und die Konferenz (am 19. Oktober) bilden eine Plattform für neue Geschäftsmodelle der Kultur- und Kreativwirtschaft, die sich durch digitale Technologien ergeben. Holger Volland von der Frankfurter Buchmesse hat das Konzept gemeinsam mit Christiane zu Salm entwickelt. Wir sprachen mit ihm über den Einfluss neuer Technologien auf die Kreativwirtschaft, die Verbindung zwischen Kunst und Technologie und seine Highlights der bevorstehenden Messe.

Holger Volland, Sie sind einer der beiden Gründer von THE ARTS+. Was können wir uns darunter vorstellen?

Ich nenne es einen Business-Inkubator für Kreative und die Künste. THE ARTS+ ist eine Plattform, mit der wir dem Potenzial digitaler Kulturgüter zum Durchbruch verhelfen. Vor allem die Entstehung neuer Rechte- und Lizenzformen steht dabei im Vordergrund. Da diese Branche darüber hinaus einen unermesslichen kulturellen und politischen Wert für die Gesellschaft hat, werden wir mit allen relevanten Entscheidungsträgern ins Gespräch gehen, vor allem mit Politikern und Vertretern der Öffentlichkeit, aber auch mit Künstlern wie dem großartigen David Hockney.

Können Sie erklären, warum Museen und Verlage mit ähnlichen Herausforderungen wie der Musik- und Publikationsbereich zu kämpfen haben?

Ich stelle Ihnen ein Beispiel vor. Während meines Besuchs in der Fondazione Prada sah ich ein Werk des Künstlers Oliver Laric. Es handelte sich dabei um eine antike Skulptur, die er in 3D gescannt und dann nachgedruckt hat. Die Ausstellung heißt übrigens „The stolen image“ („Das gestohlene Bild“) und wurde von Thomas Demand kuratiert. Laric arbeitet häufig mit 3D-Scans und 3D-Drucken. Zusammen mit dem Collection Museum und der Usher Gallery in Lincoln, UK, machte er einige ihrer Kunstwerke für jedermann verfügbar und zwar in Form nachgedruckter Skulpturen. Büsten von Beethoven, Dante oder Einstein wurden als 3D-Modelle nachgebildet und dann online verbreitet.

Ich denke, es braucht nicht viel Fantasie, um sich mögliche Geschäftsmodelle für Verlage, Kunstinstitutionen und Künstler vorzustellen. Aber es ist ebenfalls nicht schwer sich auszumalen, dass freie und oft kopierte Inhalte eine Herausforderung für die Kunstwelt darstellen könnten, ebenso wie es bei der Musik- und Buchindustrie der Fall war.

Digitale Produktionsprozesse wie das 3D-Scannen, der 3D-Druck, die Digitalisierung von Rembrandts Malstil (googeln Sie das Projekt „Next Rembrandt“) oder 360-Grad-Kameras sind nur einige Beispiele für neue Tools, die überall kulturelle und kreative Produktion ermöglichen. Ebenso wie zuvor in der Verlagsbranche bringt der digitale Wandel jedoch viele Fragen mit sich: Wie stehen Künstler – oder die Urheberrechtsinhaber – zu digitalen Kopien? Was bedeutet die Entwicklung für etablierte, kreative Produktionsunternehmen und Anbieter? Welche Städte werden sich durchsetzen und die Standorte dieser neuen Kreativbranchen werden? Wir sollten darüber gemeinsam diskutieren!

Was wir jetzt brauchen, ist eine Debatte darüber, wie wir mit dem geistigen Eigentum und Urheberrecht von digitalen, kulturellen Inhalten umgehen können. Wir müssen außerdem neue Geschäftsmodelle rund um diese neuen, digitalen Güter entwickeln. Verlage verfügen über eine umfangreiche Erfahrung bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu Inhalten und können daher wertvolle Unterstützung leisten. Andernfalls bleibt die Antwort auf die Fragen, was mit den 3D-Architektur-Modellen der späten Zaha Hadid, der digitalisierten Sammlung des TATE oder den digitalen Zeichnungen für in 3D gedruckte Modeobjekte passieren wird, ungewiss.

Was können Teilnehmer von THE ARTS+ erwarten?

THE ARTS+ wird über mehr als 2.000 m2 Ausstellungsfläche verfügen, um ihren Gegenstand erfahrbar und konkret zu machen. Es wird viele Matchmaking- und Business-Sessions geben für Profis aus allen kreativen Bereichen. Besucher können virtuelle Realitäten und 3D-Kunst oder auch neue digitale Kreativwerkzeuge und Produktionstools für digitale Architektur, Mode und Design entdecken. Fachbesucher können an Workshops zur Rolle der Museen und Kulturinstitutionen teilnehmen, vertreten sind etwa das documenta Archiv, das MET in New York, das Van Gogh Museum in Amsterdam. Viele Cluster der Kreativindustrie werden präsent sein, ebenso wie Technologieunternehmen. Unter den Kooperationspartnern sind Kunstverlage wie TASCHEN genauso wie kulturelle Plattformen wie EUROPEANA und das Google Cultural Institute.

Können Sie uns einen Vorgeschmack auf die Highlights der Konferenz von THE ARTS+ geben?

Die Konferenz ist für diejenigen gedacht, die direkt mit Vordenkern und Einflusspersonen über Themen wie neuartige Zahlungsmethoden, neue Produktions-Ökosysteme oder die Rolle geistigen Eigentums in der Kulturbranche sprechen wollen. Wir freuen uns auf Redebeiträge von Julia Stoschek, einer anerkannten Sammlerin von Medienkunst, und von Bas Korsten, dem Kreativdirektor hinter „The Next Rembrandt“ – einem Algorithmus, der es gelernt hat, wie Rembrandt zu malen. Bestseller-Autor und Web-Visionär Jeff Jarvis wird einem Panel vorsitzen, das er erstmalig beim World Economic Forum eingeführt hat. Und – last but not least – können die Konferenzbesucher exklusiv an einer Session mit David Hockney über die letzten 60 Jahre seiner Arbeit und die Rolle der Medien darin teilnehmen.

Was ist darüber hinaus geplant?

Architekten werden sich über Einflüsse des Digitalen auf ihren Beruf unterhalten. Auch Künstler werden anwesend sein und Wissenschaftler vom MIT. Zwei Schwerpunktsessions werden sich mit jeweils einem sehr besonderen und aufregenden Projekt auseinandersetzen. In einer der beiden Sessions wird Matthias Röder, Geschäftsführer des Eliette und Herbert von Karajan Institutes und verantwortlich für Lebenswerk und Vermächtnis von Karajan, darüber sprechen, wie die Erfahrung klassischer Musik heute durch das nutzbar gemachte künstlerische Wissen eines Dirigenten und neue Verbindungen von Musik, Technologie und Daten neu gestaltet werden kann. In der „hacking documenta“-Session werden wir an einer Zukunftsstrategie für die international renommierte Kunstausstellung arbeiten, die höchstwahrscheinlich das wichtigste Archiv zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum darstellt (mit einem Bestand von 1,5 Mio. Dokumenten).

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