Paneldiskussion „Hidden Values“

Am Freitag, den 25. Mai 2018 lud CREATIVE.NRW in die NRW-Landesvertretung in Berlin ein. Im Rahmen des Leitthemas „Hidden Values“ ging es um die Ökonomie von Aufmerksamkeit. Diskutiert haben wir mit Ronja von Rönne, Katja Kullmann, Thomas Ramge, Carl Jakob Haupt und Christian Boros.

Mads Pankow, zusammen mit Dr. Leonard Novy Kurator der von CREATIVE.NRW herausgegebenen Publikation „Hidden Values – Die Währungen der Zukunft“, führte in das Thema ein. Er beschrieb die Informationsökonomie als eine wirtschaftliche Dimension der Informationsgesellschaft. Da Informationen beliebig oft reproduziert werden können und zu jeder Zeit abrufbar sind, sind sie immer im Überschuss vorhanden. Deshalb sei es für erfolgreiches Wirtschaften unerlässlich, sich mit Hilfe der „Hidden Values“ auf dem Markt zu positionieren – zum Beispiel durch Aufmerksamkeit und Einzigartigkeit. Die Kreativen haben in den Multiökonomien einen klaren Startvorteil, da sie bei der Herstellung von immateriellen Gütern von Beginn an um Anerkennung und Vergütung kämpfen mussten. Kreative mussten schon immer nicht nur „eine Cashcow im Stall“ haben, sondern dazu am besten gleich noch ein „attention chicken“ und ein „relation pig“, so Pankow.

Fotos: Thomas Rafalzyk

In der anschließenden, von Dr. Leonard Novy moderierten Diskussion wurden die „Hidden Values“ kontrovers und aus den verschiedensten Winkeln diskutiert. Katja Kullmann hinterfragte den Begriff „Hidden Values“ und warf die Frage auf, ob man nicht bereits von den „Obvious Values“ sprechen müsste. Für die Autorin und Themenchefin der taz sind Werte wie Daten, Beziehungen, Aufmerksamkeit und Einzigartigkeit schon lange als non-monetäre Währungen offensichtlich und würden als solche auch missbraucht – etwa von Populisten, die damit „Abgehängte“ einfangen, die sich in der Überflussgesellschaft nicht mehr wahrgenommen fühlen.

Auch für Thomas Ramge, Redakteur für die brand eins und Co-Autor von „Das Digital“, sind insbesondere die Daten keine „versteckten“ Werte mehr. Die Revolution der Daten torpediere bereits die Regeln der Marktwirtschaft. Für ihn sollten Daten in erster Linie dazu genutzt werden, Marktwirtschaften effizienter zu gestalten – dann seien sie eine ökonomische Chance.

Carl Jakob Haupt berichtete über die Anfänge des von ihm mitbegründeten Männermodeblogs Dandy Diary und dessen Beweggründe. Der studierte Politikwissenschaftler hatte sich daran gestört, dass Kritik in der Modebranche grundsätzlich keinen Platz habe, da alle Beiträge in den darüber berichtenden Medien mehr oder weniger bezahlte Inhalte seien. Mit Hilfe von aufmerksamkeitsstarken Aktionen wie dem ersten Modeporno sorgten Dandy Diary für Aufsehen. Dass man mit solcherlei Aufmerksamkeit mittlerweile auch Geld verdienen kann, war ihm dabei zu Beginn des Blogs nicht klar. Für ihn stand die Kreativität immer an erster Stelle, und er ist nach wie vor davon überzeugt, dass das Abwägen, wie viel Geld eine Aktion oder Idee einbringen könnte, kreatives Denken lähmt.

Ronja von Rönne hat nach eigener Aussage früh erkannt, wie die „Hidden Values“ funktionieren und wie sie diese monetarisieren kann. Die Autorin und Bloggerin nutzte die „negative Aufmerksamkeit“ für ihren Feminismus-Artikel zum Beispiel, um Artikel zu anderen Themen zu verkaufen. Sie glaubt, dass der Schlüssel zur Aufmerksamkeit vor allem darin liegt, wie selbstsicher und interessant ein Mensch ist – oder zumindest auf andere wirkt.

Insbesondere Einzigartigkeit, Aufmerksamkeit und Autorenschaft sind Werte, die Christian Boros faszinieren. Er ist mittlerweile einer der bedeutendsten Kunstsammler Deutschlands und interessiert sich maßgeblich für Kunst, die ihn zunächst einmal irritiert. Ein Zugewinn an Erkenntnis steht für ihn beim Kauf eines Kunstwerkes im Mittelpunkt. Dinge zu verstehen und seinen Horizont zu erweitern, sind der Kern seiner Sammelleidenschaft. Er ist überzeugt davon, dass Künstler unsere Sehnsucht nach Individualität und Einzigartigkeit zumindest in Teilen befriedigen können.

Bei Drinks, Snacks und bestem Wetter wurden die Diskussionen im Garten der NRW-Landesvertretung fortgesetzt.

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