Theatermarkt

"Darstellende Kunst und Unterhaltungskunst" spielt in der "Champions-League"

Nordrhein-Westfalen besitzt die dichteste Theaterlandschaft Deutschlands und Europas. Dazu zählen so renommierte öffentliche Häuser wie das Bochumer Schauspielhaus, das Musiktheater in Gelsenkirchen, die Opernhäuser in Köln, Düsseldorf/Duisburg und Essen viel beachtete Festspiele wie die „RuhrTriennale“ oder die „Ruhrfestspiele Recklinghausen“. Darüber hinaus gibt es zahlreiche kleinere erwerbswirtschaftliche Ensembles und Spielstätten, wie das „Kommödchen“ in Düsseldorf, der Mondpalast in Herne oder große Einrichtungen wie die Musicalhäuser in der Rhein-Ruhr Metropole.

Zahlen und Fakten

Heute gibt es in Nordrhein-Westfalen etwa 3.600 selbstständige Darsteller/innen (Schauspieler/innen, Tänzer/innen etc.), Ensembles und erwerbswirtschaftlich orientierte Veranstaltungshäuser, Anbieter von technischen Hilfsdiensten für kulturelle und unterhaltende Leistungen, Tanzschulen etc., die 2007 insgesamt gut 820 Mio. EUR erwirtschafteten. Kreativer Kern dieses Live-Marktes sind die Schauspieler/innen, Kabarettist/innen und Comedy-Künstler/innen, freie Theatergruppen und Ensembles, Regisseur/innen, Dramaturg/innen etc.

Der Markt

Viele der erwerbswirtschaftlich orientierten Spielstätten zählen zu den Top-Adressen, können auf eine lange Tradition verweisen und sind überregional und national bekannt, zum Beispiel das seit 1848 bestehende Volkstheater „Millowitsch“ in Köln. In den letzen 20 Jahren sind zahlreiche Musical-, Kabarett- und Varietétheater sowie Komödien und Volkstheater hinzugekommen, u.a. das „Stratmanns“ (Essen), die „Comödie“ (Duisburg und Bochum), das Varieté-Theater „GOP“ (Bad Oeynhausen, Essen) oder die Musicaltheater in Köln, Düsseldorf, Essen und Bochum, letzteres mit dem seit nunmehr 20 Jahren „fahrenden Starlight Express“.

Weniger bekannt ist, dass Nordrhein-Westfalen auch ein wichtiger Standort für zahlreiche hochspezialisierte Unternehmen der Bühnenausstattung und Bühnentechnik ist. (vgl. Kulturbauwirtschaft 3. Kulturwirtschaftsbericht). Dafür stehen Betriebe wie „Schnakenberg“ (Bühnentechnik) in Wuppertal, „Stage-Kinetik“ in Castrop Rauxel (Kinetische Effekte, Bühnenausstattung,) oder die „Tarm Showlaser GmbH“ (Lasertechnik, Lasershow), einer der Weltmarktführer in diesem Segment aus Bochum.

Die räumlichen Schwerpunkte des Theatermarktes sind die bevölkerungsreichen Städte der Rheinschiene und des Ruhrgebietes. Das große Nachfragepotenzial in diesem Umfeld bietet vielfältige Marktchancen, auch in Nischenmärkten wie dem Wortkabarett. Eine andere Stärke des Theaterstandortes Nordrhein-Westfalen sind Ausbildungsstätten wie das „Tanzhaus-nrw“ in Düsseldorf, das deutschlandweit zu den führenden Adressen für zeitgenössischen Tanz gehört, die Essener „Folkwang Hochschule“ (u.a. Musical, Kirchenmusik, Schauspiel, Tanz) und auch private Einrichtungen (u.a. die Schauspielschule/Theaterakademie in Köln). Auch als Arbeitsmarkt für Schauspieler/innen ist Nordrhein-Westfalen interessant. So wechseln Theaterschauspieler hier zum Teil zwischen Theater, Film und Fernsehsendern.

All das, was zu dem eigentlichen Markt des Theaters zählt, ist in NordrheinWestfalen in ausdifferenzierter Form vorhanden. Von der hierfür erforderlichen Technik bis zu einer Vielzahl an Darsteller/innen, Ensembles (für Kinder und Jungendliche wie für Tanz) und einem breiten Spektrum an Theaterorten, von spezialisierten Off-Theatern über Kabaretthäuser bis zu bundesweit bekannten Musicaltheatern. Darüber hinaus sind die Rahmenbedingungen günstig, sowohl hinsichtlich der öffentlich geförderten Theaterlandschaft, der Ausbildung als auch dem Austausch mit anderen Teilmärkten der Kulturwirtschaft.

 

Trotz der immer stärkeren Mediatisierung der Gesellschaft über Fernsehen, Internet etc. hat der Theatermarkt Konjunktur. Aktuelle Herausforderungen stellen sich in diesem Teilmarkt der Kulturwirtschaft u.a. in Bezug auf die Ausdifferenzierung der Angebote und Generierung des Publikums, der Erschließung der Angebote für den Tourismus sowie der Finanzierung der Kleintheater.

NRW im nationalen Vergleich
Nordrhein-Westfalen weist auf Grund seiner großen Einwohnerzahl in Deutschland die meisten Selbstständigen und Unternehmen sowie die größten Umsätze im Markt für darstellende Künste auf. In NRW generieren 20 Prozent aller Unternehmen diese Branche etwa 19 Prozent aller bundesweiten Umsätze. Bei etwa 18 Prozent Bevölkerungsanteil können die Zahlen des Marktes für darstellende Künste in Nordrhein-Westfalen als leicht überdurchschnittlich bewertet werden. Während zwar die Anzahl der Unternehmen und Selbstständigen je 1.000 Einwohner in der Hauptstadt Berlin deutlich über dem hiesigen Niveau liegt, sind in NRW die Umsätze je Unternehmen höher.