Architekturmarkt

Nordrhein-Westfalen: Standort der Architekten und Planer

Bildquelle: Architektenkammer NRW

Nordrhein-Westfalen ist mit über 8.000 Unternehmen und Selbstständigen im Architekturmarkt nicht nur ein wichtiger nationaler und internationaler Standort dieser Branche, sondern auch ein bedeutender Ausbildungsstandort für Architekten und Planer in Deutschland. Die Internationalität des Architekturmarktes in Nordrhein-Westfalen wird bereits am internationalen Erfolg mancher Unternehmen deutlich.

Zahlen und Fakten

Nordrhein-Westfalen ist heute ein profilierter Standort für Architektur- und Planungsbüros. Mit rund 18 Mio. Einwohner/innen, über 700.000 Unternehmen, einem großen Gebäudebestand (z.B. 3,7 Mio. Wohngebäude) und einer entsprechend dichten Städte- und Infrastrukturlandschaft, gibt es in diesem Bundesland einen großen Binnenmarkt mit einer entsprechenden Nachfrage nach Dienstleistungen dieser Branchen. In der Vergangenheit haben zahlreiche Entwicklungen diese Märkte wachsen lassen. Hierzu zählen etwa die stark gestiegene Wohnflächennachfrage seit den 1950er Jahren, die Entwicklung zu mehr Ein-Personenhaushalten mit der Folge einer gestiegenen Nachfrage nach Wohnungen, der Trend zum Wohneigentum, die Suburbanisierung mit entsprechend großer Baulandnachfrage, der Ausbau und die Erneuerung der sozialen und technischen Infrastruktur, der Neubau und Umbau von Industrie- und Gewerbegebäuden und nicht zuletzt der Stadtumbau.

Mit diesen Aufgaben und Herausforderungen haben sich bis heute am Standort Nordrhein-Westfalen rund 7.000 Büros für Architektur und Innenausstattung etabliert sowie etwa 1.000 Betriebe in den Tätigkeitsfeldern von Orts-, Regional- und Landesplanung einschließlich der Garten- und Landschaftsgestaltung. Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen zählt knapp 30.000 Mitglieder, die in NRW den Titel „Architekt/in“, „Innenarchitekt/in“, „Landschaftsarchitekt/in“ oder „Stadtplaner/in“ führen dürfen. Damit zählt der Architekturmarkt mit insgesamt über 8.000 Unternehmen und Selbstständigen im Jahre 2007 mit der Werbewirtschaft zu den Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft mit der größten Anzahl an Betrieben in Nordrhein-Westfalen. Mit 1,6 Mrd. EUR Umsatz im Architekturmarkt des Landes erwirtschaftete jeder Betrieb durchschnittlich 195.000 Euro. Dieser Wert liegt allerdings deutlich unter dem Durchschnittswert der Kultur- und Kreativwirtschaft, was auf die Kleinteiligkeit dieses Teilmarktes hinweist.

Der Markt

Zu den Branchenführern des Architekturmarktes zählt in Nordrhein-Westfalen das Unternehmen „RKW“ (Rhode, Kellermann und Wawrowsky) in Düsseldorf, mit Außenstellen u.a. in Polen und Russland und einem Stab von rund 320 Mitarbeiter/innen. Weitere Büros mit nationaler und internationaler Reichweite sind u.a. die Architektenpartnerschaft „Hentrich-Petschnigg & Partner“ (HPP) mit 12 Bürostandorten im In- und Ausland (Hauptsitz Düsseldorf) und rund 250 Mitarbeiter/innen, die „Ingenhoven Architects“ mit rund 100 Beschäftigten (Düsseldorf), die weltweit Projekte durchführen, oder das Büro „Gerber Architekten“ aus Dortmund/Hamburg, das ebenfalls national und international tätig ist. In der Regel sind es kleinere Architektur- und Planungsbüros, die sich zum Teil auf spezifische Marktfelder konzentrieren wie zum Beispiel auf die Umnutzung von Industrie- und Gewerbegebäuden.

Vor dem Hintergrund des großen Marktes hat sich in Nordrhein-Westfalen eine renommierte Ausbildungslandschaft für Architekten und Planer an einer Reihe von Universitäten/Hochschulen (Aachen, Dortmund, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal) sowie an acht Fachhochschulstandorten des Landes herausgebildet, mit zum Teil langer Tradition (z.B. TH Aachen). Fachübergreifende Ausbildungsgänge wie „Kunst und Architektur“ an der Kunstakademie Düsseldorf oder die zahlreichen Fort- und Weiterbildungsangebote der Akademie der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ergänzen diese Qualifizierungsangebote.

Die Dichte an Unternehmen im Markt für Architekt/innen und Planer/innen in Nordrhein-Westfalen, die Internationalität mancher Betriebe, die breite Aus- und Weiterbildungslandschaft für Architekt/innen und Planer/innen im Lande sowie die Branchen unterstützenden Einrichtungen und Projekte, zum Beispiel die Initiative „StadtBauKultur NRW“ als gemeinsame Aktivität der Landesregierung Nordrhein-Westfalen mit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und weiteren Projektpartnern deuten auf die Existenz eines Clusters im Architekturmarkt im Lande hin. So ist beispielsweise die TU Dortmund Sitz der europaweit größten Fakultät für Raumplanung und kann auf ein dichtes Netz an national aber auch international tätigen Planungs- und Architekturbüros in der Stadt und Region verweisen. Wie im Design erbringen die Architektur- und Planungsbüros Dienstleistungen für Auftraggeber aus dem privaten Sektor (Haushalte), der Wirtschaft (z.B. Unternehmen) oder für den öffentlichen und intermediären Sektor (z.B. Gebietskörperschaften). Im Gegensatz zu vielen anderen Wertschöpfungsnetzwerken haben Architekt/innen während des gesamten Planungs- und Umsetzungsprozesses häufig eine durchgehend tragende Rolle, die vom Planungsprozess über die Umsetzungsplanung bis hin zur Steuerung des Umsetzungsprozesses reicht. Zunehmend spielt auch das life-cycle-management bein der Projektentwicklung und Durchführung von Baumaßnahmen eine wichtige Rolle für Architekten und Stadtplaner. Dabei geht es darum, die kaufmännischen Kosten, aber auch ökologische und soziale Faktoren über den gesamten Lebensraum eines Gebäudes einschließlich eines späteren Rückbaus in die Betrachtungen einzubeziehen.

Der Architekturmarkt als Markt für Architekt/innen und Planer/innen ist von der Investitionstätigkeit in Gebäude und Infrastruktur und damit von einer Reihe indirekter Rahmenbedingungen geprägt, wie zum Beispiel der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, die unmittelbar die Finanzierungsmöglichkeiten von Projekten beeinflusst, oder der demografischen Entwicklung (prognostizierte Bevölkerungsrückgänge in NRW). Die Branchensituation ist von folgenden Trends gekennzeichnet:

Neubaumarkt auf niedrigerem Niveau
Nicht erst seit der tiefgreifenden Finanz- und Wirtschaftskrise pendelt sich das Neubauvolumen auf einem niedrigen Niveau ein. So wurden bereits im Jahre 2008 in Nordrhein-Westfalen nur noch 36.000 Wohnungen fertiggestellt, was einem Rückgang um 20 Prozent gegenüber 2007 entspricht und damit zur niedrigsten Wohnungsneubauquote seit Gründung des Landes NRW. Sowohl im Wohnungsbau als auch im gewerblichen oder „öffentlichen“ Hochbau werden in den nächsten Jahren u.a. vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise und der daraus entstandenen allgemeinen Sparzwänge keine wachsenden Auftragsvolumen erwartet (von den Effekten des Konjunkturprogrammes der Bundesregierung für Investitionen in öffentliche Infrastrukturen abgesehen).

Schwerpunktverlagerung zum Bestandsmarkt
Seit dem Jahr 2000 übersteigt das Volumen für Instandsetzung- und Modernisierungsmaßnahmen das Neubauvolumen. Dieser Trend wird sich im Zuge gesellschaftlicher, ökonomischer, technischer und ökologischer Herausforderungen und Veränderungen in Zukunft weiter fortsetzen. Hierzu zählt beispielsweise die energieeffiziente Aus- bzw. Nachrüstung von Gebäuden. Abseits des Neubausektors können Architekt/innen durch innovative Konzepte gerade im Bestandsmarkt Möglichkeiten nutzen, um aussichtsreiche Tätigkeitsfelder zu besetzen.

Chancen in spezialisierten Nachfragemärkten
Weitere Tätigkeitsfelder mit Zukunftspotentialen im Neubau liegen für Architekturbüros in eher spezialisierten Nachfragemärkten. Hierzu zählen beispielsweise Gebäude im Premium- bzw. hochpreisigen Segment, im altengerechten Wohnen, in Gebäuden für den Bereich „Health Care“, in der Logistikbranche oder im Freizeit- und Unterhaltungssektor.

Der Architekturmarkt im nationalen Vergleich
Der Anteil von Selbstständigen und Unternehmen aus NRW sowie die von ihnen erzielten Umsätze im Architekturmarkt spiegeln relativ genau die Größe Nordrhein-Westfalens wider: Etwa jedes fünfte Unternehmen der Architekturbranche Deutschlands hat seinen Standort in NRW (20,5%), und auch etwa jeder fünfte Euro an Umsatz wird hier erwirtschaftet (21,3%). Diese Zahlen stehen in Relation zu der Einwohnerzahl Nordrhein-Westfalens, die mit 17,9 Millionen knapp 22 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung ausmacht.