Der Markt

War in Nordrhein-Westfalen die Modewirtschaft über Jahrzehnte hinweg überwiegend industrieller Produktions- und internationaler Handelsstandort, so ist die Branche heute im Land breiter und vielfältiger aufgestellt. Die hier ansässigen Ausbildungseinrichtungen für Modedesign, Modejournalismus etc., die Nähe zu anderen wichtigen Wirtschaftsbranchen sowie der weitgehend vollzogene Strukturwandel haben ein dichtes Wertschöpfungsnetzwerk entstehen lassen, dessen Stärken vor allem auch im kreativen Bereich liegen.

Aktuelle Branchensituation
In einer sowohl auf der Nachfrage- wie der Angebotsseite stark globalisierten Branche wie der Modewirtschaft und einem veränderten Nachfrageverhalten liegen Marktchancen und Herausforderungen eng bei einander:

  • Zunehmender internationaler Wettbewerb: Unternehmen aus einigen ehemaligen Niedriglohnländern, die über Jahre hinweg vor allem als verlängerte Werkbänke fungierten (z.B. China), drängen seit einiger Zeit mit eigenen Lifestyle-Produkten und Kollektionen auf den europäischen Markt. Die Exportquote deutscher Produkte ist parallel von 10% (1970) auf 43 % (2008) gestiegen
  • Standortwettbewerb: Der fortschreitenden Globalisierung des Wettbewerbs müssen sich auch die traditionellen Modestädte stellen und neue attraktive Lifestyle-Konzepte für Aussteller wie Besucher/innen präsentieren.
  • Ausdifferenzierung und kürzere Frequenzen der Kollektionen: Neben der Produktion von Standardwaren bedingen Produktinnovationen (z.B. „intelligente Textilien“), die vielfältigen kulturellen Szenen und der schnelle globalisierte Kulturaustausch eine höhere Produkt- bzw. Markenvielfalt und eine Verkürzung der Lebenszyklen in der Mode.
  • Tendenzen zur Projektwirtschaft: Die anhaltende Ausdifferenzierung der Mode auf der Nachfrageseite (z.B. in Richtung „industrielle Maßkonfektion“) und die globalisierten Bezugsquellen auf der Angebotsseite erfordern von den Unternehmen flexible Produktionsnetzwerke und eine projektbezogene Koordination.
  • Strukturwandel im Modeeinzelhandel: Der Modeeinzelhandel steht angesichts zusätzlicher Wettbewerber wie ALDI, Tchibo, Discountern wie KiK, der Tendenz von Markenprodukten zum Branding (im Rahmen der Vertikalisierung) und zu zielgruppenorientierten Themenmärkten (z.B. für Skater) sowie „Designerläden“ anhaltend unter Druck.

Nordrhein-Westfalen: Bedeutender Standort für Mode, Textil und Bekleidung 

Schon traditionell war Nordrhein-Westfalen mit anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg und Bayern eine der wichtigsten Zentren der Textil- und Bekleidungsindustrie Deutschlands. Auch heute zählt Nordrhein-Westfalen u.a. mit Düsseldorf zu den relevanten Standorten für Mode, Textil und Bekleidung in Deutschland, auch wenn sich andere Regionen (z.B. Berlin) hier ebenfalls positionieren. In der Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie einschließlich der (geschätzten) Textil- und Modedesigner bzw. -agenturen hatten 2007 rund 3.450 Betriebe und Selbstständige ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von etwa 9,6 Mrd. EUR. In Deutschland waren dies insgesamt rund 14.870 Betriebe und Selbstständige mit einem Umsatz von 34 Mrd. EUR. Damit hatte im Jahr 2007 fast jeder 4. Betrieb aus diesem Sektor (23%) seinen Standort in Nordrhein-Westfalen und diese Betriebe erwirtschafteten hier einen Anteil von 28 Prozent der Umsätze dieser Branchen Deutschlands.